Presse

Wir sind ein kleines, unbeugsames Dorf

„Kultur sei in einer Stadtgesellschaft ein Lebenselixier. ‚Wenn das nicht begriffen wird, wird man in Zukunft eine weitere Verrohung beklagen müssen. Denn dort, wo Kultur fehlt, wächst Gewalt‘, glaubt der Mann, der 2001 die erste Kölner Theaternacht begründet und mit dieser in der Bundesrepublik damals noch einmaligen Veranstaltung bis heute einen Publikumsmagneten hervorgebracht hat.“

(Susanne Hengesbach im KStA, 2017)

Tür auf, Tür zu

Tief traurige Gestalten

Hucke, Scholmann in Tür auf, Tür zu im Theater am Sachsenring Köln
Scholmann, Herkenhoff in Tür auf, Tür zu im Theater am Sachsenring Köln

Ingrid Lausunds „Tür auf, Tür zu“ im Theater am Sachsenring

…’Ouvertüre!’ verkündet zunächst der Chor. Aus Spargründen besteht er nur aus einer Person (Richard Hucke) und führt fortan durch das Stück. Es tritt auf eine sprechende Tür (Jonas Herkenhoff): ‚Die Tür geht auf, die Tür geht zu.‘ Und wieder auf und wieder zu, während sich drinnen Leute begegnen und sagen, was man so sagt…

Und dann passiert’s. ‚1. Akt‘, meldet der Chor, denn man ist im Theater – ‚Tür auf, Tür zu‘ heißt das Stück von Ingrid Lausund, das Hausherr Joe Knipp im Theater am Sachsenring inszeniert. Und heißt es für Anneliz, die Frau im schicken grünen Kleid (Bettina Scholmann), die nur mal kurz draußen war…

Mit ihrem kleinen Dreipersonenstück, das quasi ohne Ausstattung auskommt (Kostüme Hannelore Honnen), ist Ingrid Lausund 2011 ein Drama von Beckettschem Format gelungen, das Joe Knipp und das großartige Ensembletrio mit präzisem Timing auf der Bühne zum Schillern bringen. Haarfein ziseliert Bettina Scholmann Anneliz’ eskalierende Gefühlslagen zwischen Angst, Wut, Unsicherheit und Verzweiflung. Denn wie sehr sie sich auch anstrengt, wütetet, gurrt und intrigiert, es gibt keine Erklärung, keine Erlösung und kein Dabei-Sein mehr: ‚Die Tür ist zu‘.

Wie Becketts Antihelden wirken Anneliz und ein später Leidensgenosse (Hucke herrlich kläglich) oft absurd komisch und sind doch tief traurige Gestalten.

…Die Tür bleibt zu. Aber Anneliz vielleicht am Ende doch auch ein kleines bisschen mehr bei sich.“ (Kölnische Rundschau 9. März 2019; Foto: Barbara Siewer)

65 Minuten. Nächste Vorstellungen 25. bis 27. April, jeweils 20 Uhr. Sachsenring 3, Karten-Tel. 0221/31 50 15

(Kölnische Rundschau 9. März 2019; Foto: Barbara Siewer)

Gerne mal fies sein – Sharon Edelstein über Rollenwünsche

Zeitungsartikel über Sharon Edelstein

„…Sie selber achte privat sehr darauf, wie sie mit Menschen umgehe, betont Edelstein und meint damit Achtung und Respekt. ‚Aber ich finde es großartig, wenn ich mal eine Rolle bekomme, in der ich so richtig fies, dreckig und derb sein kann.‘

Derzeit spielt sie dreimal im Monat (das nächste Mal am 14./15. und 16. Februar) im Theater am Sachsenring. Das Stück ‚Püdel Tam Tam‘ handle von drei Wesen (Püdeln), die die Menschheit überlebt haben ‚und nun zurückblicken auf das, was die Menschheit war und wie die Menschheit zu ihrem Ende gekommen ist.‘ Also ein Drei-Personen-Stück? – ‚Ein Drei-Frauen-Stück‘, korrigiert Edelstein und erzählt, dass sie, Anna Möbus und Nina Ruhz die meiste Zeit auch zu dritt auf der Bühne stehen und ununterbrochen sprechen. ‚Und wenn wir nicht sprechen, singen wir‘, ergänzt sie und lacht…“

Kölner Stadt-Anzeiger Januar 2019

Weihnachten oder Hochzeit

Edelstein, Möbus, Ruhz als Püdel

 

Gelungen: Uraufführung der Revue „Püdel Tam Tam“ im Theater am Sachsenring

VON BARBRO SCHUCHARDT

„Nach dem großen Erdenbeben“ ist die Menschheit ausgestorben. Doch im All entstand eine neue Spezies – die Püdel. Sie versuchen mit viel Tam Tam, ihre merkwürdigen Vorgänger zu verstehen, indem sie etwa einem ihnen unbekannten Gefühl wie „Liebe“ nachspüren. Doch heraus kommen nur klägliche Parodien …

Joe Knipp, dem Hausherrn des Theaters am Sachsenring, ist mit der Uraufführung seiner dystopischen Revue „Püdel Tam Tam“ ein großer Wurf gelungen. Mit der Musik seines langjährigen Weggefährten Albrecht Zummach („Zinnober“) entwickelte er eine dadaistische Endzeitvision in Reim und Prosa, mit hochdeutschen und kölschen Versen, sphärischen Klängen und Brecht/Weill-Reminiszenzen, bei aller Komik pessimistisch grundiert.

Die drei jungen Schauspielerinnen Anna Möbus, Nina Ruhz und Sharon Edelstein leisten dabei Fabelhaftes. Sie singen und tanzen, weinen und lachen

Kölnische Rundschau Dezember 2018

Premierenfoto von PÜDEL TAM TAM

Alle hoffen und alle leiden

Kussszene in Die Möwe im Theater am Sachsenring Köln

 

Die Möwe“ im Kölner Theater am Sachsenring

VON NORBERT RAFFELSIEFEN

Ein Haus am See und auf dem Grundstück eine kleine Bühne, auf der Kostja (Paul Behrens), der Sohn einer Starschauspielerin, sein erstes experimentelles Stück zur Aufführung bringen will. Das Unterfangen scheitert auf ganzer Linie, denn das erlesene Publikum an diesem Premierenabend ist voreingenommen. Allen voran Kostjas Mutter Arkadina (Anna Möbus), die ihren Sohn nicht ernst nimmt. Sind doch seine 25 Lebensjahre der Beweis dafür, dass die Mutter ihre eigene, sorgsam konservierte Jugend längst hinter sich gelassen hat. In dem vom Erfolg gelangweilten Star-Autor Trigorin (Richard Hucke), arrogant und autoaggressiv gleichermaßen, findet Arkadina einen wohlfeilen Verbündeten für ihre bösen Sticheleien. Es wird allerdings für die Mutter ein schaler Triumph der Etablierten gegen den „Aufstand der Jugend“. Nina (Jennifer Tilesi Silke), Kostjas junge Muse und Herzensdame, die sein Stück spielt, findet Gefallen an dem Geliebten der Mutter und der ist seinerseits nicht abgeneigt, auf die Avancen einzugehen.

Die Dispute um Kunst, Literatur und Theater die am See geführt werden, sind immer auch Stellvertreterkriege um die sich anbandelnden Liebesdramen…

…hinter der Nichtigkeit schimmern die menschlichen Dramen durch, Sehnsüchte und Liebeshoffnungen, die sich nicht erfüllen lassen und eine Weltverlorenheit, die diesen Seelen die Hoffnung, sesshaft zu werden, verweigert. Ja, jeder hat seine Sehnsucht und jeder leidet am Ende für sich allein – und alle Versuche der Kommunikation führen aneinander vorbei. Dieses Aneinander-vorbei-Spielen meistern die fünf – Nina Ruhz komplettiert als heimlich und unglücklich in Kostja verliebte Mascha den Reigen – stimmig besetzten und kraftvoll aufspielenden Schauspieler an diesem Abend souverän. Ihnen gelingt das Kunststück, die menschlichen Schwächen ihrer Figuren bloßzulegen und sie gleichzeitig mit einer Wärme auszustatten, die ihnen die Sympathie des am Ende begeistert applaudierenden Publikums bewahrt. Die Bühne wird zum Ort, an dem die Sehnsüchte für einen Moment zur gefühlten Wirklichkeit werden, bis ein Schuss hinterm Vorhang der Illusion ein Ende setzt.

​Kölner Stadt-Anzeiger Mai 2018

ALS ES NOCH MENSCHEN GAB

Möbus, Huhmann und Welling in Die Käfer

 

„Die Käfer“ im Kölner Theater am Sachsenring

Alida Pisu schreibt: „Aus dem dunklen Off ist ein Summen zu hören, das immer bedrohlicher anschwillt. Als es schließlich abbricht und es hell wird, kleben sie förmlich an den Wänden: drei schwarze Käfer, verkörpert von Heike Huhmann, Anna Möbus und Charlotte Welling. Sie sind jedenfalls die perfekte Illusion von Käfern, in ihren spinnwebenzarten Ganzkörperkostümen, mit denen sie eine unglaublich körperliche Präsenz ausstrahlen und eine wahre Augenweide sind (Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen). Als sie feststellen, dass niemand außer ihnen die Apokalypse überlebt hat, wird ihnen klar: ‚Nicht ein Kind wird um uns weinen… Denn es ist kein Kind mehr da‘, erinnern sie sich: ‚Wisst ihr noch? Der Mensch war da.‘ Und beschließen, Menschen zu spielen ‚und wie sie das Herzchen zu fühlen…

‚Die Käfer‘ muss man sehen! Weil sie eben doch eine Vision zeigen und in den Texten und Liedern eine unglaubliche Kraft steckt, die die Hoffnung auf ein Morgen für die Menschen in sich trägt. Drei großartige Darstellerinnen, ein sensibel begleitender Musiker und eine beeindruckende Inszenierung, die man so schnell nicht vergessen wird.“

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