GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN

Coderlos de Laclos

GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN

Premiere: 2009
Bühnenfassung und Inszenierung: Joe Knipp
nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen Assistenz: Andrea Richarz
Mit Rebecca Madita Hundt, Katja Gorst, David N. Koch Uraufführung
Fotos: Wolfgang Weimer

Rebecca Madita Hundt, Katja Gorst, David N. Koch

Über die Inszenierung berichtet der WDR: “Rebecca Madita Hundt strahlt als Marquise so gekonnt freundlich verpackte Unbarmherzigkeit aus,dass es einen fröstelt. David Koch überzeugt, trotz jungenhafter Gesichtszüge als brutaler Womanizer. Und Katja Gorst in der doppelten Opferrolle wechselt mühelos zwischen der naiven 15-Jährigen und der tugendhaften Mme de Tourvel.”

Die rheinkultur schreibt im Dezember 2009: “Joe Knipp hat am TaS den Roman zu einer wirklich fulminanten Theaterfassung kondensiert, auf der kleinen Spielfläche Gleichzeitiges und Sukzessives dramaturgisch virtuos miteinander verzahnt, das Changieren von Emotionen schillernd eingefangen.”

Kölnische Rundschau 10. Okt. 2009: “Tatsächlich stimmt die Chemie zwischen Katja Gorst, Rebecca Madita Hundt und David Koch im fein gesponnenen Intrigenspiel. (…) Mit intensiven Momenten, rasanten Rollenwechseln und komödiantischen Einlagen meistern die drei Schauspieler die komplizierten Verwicklungen. Knipps Inszenierung kommt mit karger Ausstattung und wenigen Requisiten aus – der Fokus ... liegt klar auf der Sprache (…).”

Annika Leister schreibt: "Gefährliche Liebschaften im Theater am Sachsenring – Zwei Frauen vergewaltigen einen Mann. Die eine setzt sich auf sein Gesicht, während die andere ihm unverfroren und mit Ankündigung den 'Finger ins Arschloch steckt', der Arme windet sich, er schreit, doch aus der vaginalen Hölle gibt es kein Entkommen. Dies ist nur eine von vielen vor Erotik berstenden Szenen in der Inszenierung der Gefährlichen Liebschaften am Theater am Sachsenring. Mit Choderlos de Laclos Briefroman greift Regisseur Joe Knipp auf eine literarische Vorlage aus dem Jahr 1782 zurück, die mehr Sex- und Genderdiskussionen bietet, als alle Sex and the City-Folgen zusammen.

Von einer modernen Umsetzung mit Stoffpenisen und Hasenkostümen, wie sie Anfang des Jahres im Deutschen Theater Berlin aufgeführt wurde, hat sich das Ensemble am Sachsenring dankenswerterweise ferngehalten. Nichts als ein Klavier, auf dem Valmont immer wieder spielt, und ein paar Sitzgelegenheiten, die ständig verrückt und herumgeschleudert werden, zieren die Bühne. Auch die drei Schauspieler tragen keine ausgefallenen Kostüme: Die Marquise de Merteuil (Rebecca Madita Hundt) trägt ein kurzes Schwarzes, hochgeschlossen aber verrucht bis zur Hüfte geschlitzt, der Vicomte de Valmont (David Koch) nimmt in einfachem Beinkleid und altmodischem Rüschenhemd am Klavier Platz. Nur Katja Gorst, die in kurzem Tüll-Kleidchen auf die Bühne tritt, greift neben ihrem knappen Outfit immer wieder zu einem schwarzen Tuch und wechselt mit diesem ihre Rolle. Trägt sie das Tuch um die Schultern und die Haare offen, ist sie Madame Trouvel, die fromme und treue Frau einer der ehemaligen Geliebten der Marquise de Merteuil. Ständig versucht und verführt von Valmont, der sich das Ziel gesetzt hat, sie seiner Trophäensammlung hinzuzufügen, bleibt sie lange standhaft. Cecile de Volanges hingegen, in die sich Katja Gorst verwandelt, wenn sie das Tuch ablegt und sich ihre Haare zu Zöpfen links und rechts am Kopf zusammengebunden hat, hat dem leidenschaftlichen Stürmen des Vicomtes nicht so viel entgegenzusetzen. Gerade erst 15 und ebenso naiv-dümmlich wie sie langsam ihren Text rezitiert, kann sie sich dem nächtlich eindringenden Vicomte nicht erwehren, worauf Vergewaltigungsszene Nummer Zwei folgt.

Sowieso wird in dem Stück gevögelt, was der alte Choderlos hergibt: Der Vicomte mit der Trouvel und dem kleinen Naivchen, obwohl er ja ursprünglich die Marquise will, die aber ist mit dem Danceny zu Gange, der seine Finger auch im Höschen der jungen Cecile hat. Dass bei solch ungeheuerlichem Hedonismus und bitterbösem Intrigenspiel kein Happy End herauskommen kann, ist vorgezeichnet. Und so kommt es, wie es kommen muss: Der Vicomte erhält von Danceny die Aufforderung zum Duell, kaum hat er den Brief geöffnet, sinkt er auf der Bühne des Sachsenrings in seinem Stuhl zusammen. Übrig bleibt die Marquise Merteuil, die dem Publikum starr gerade ausblickend in wenigen – den letzten – Worten des Stückes, ihre eigene Zukunft nach dem Tod des Vicomtes schildert: Ihr schönes Gesicht von den schwarzen Pocken zerfressen und ausgestoßen aus der Pariser Gesellschaft, findet sie ihr wohlverdientes Ende in der Isolation.“

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