DAS FEST

Vinterberg/ Rukov

THEATERPREIS FÜR – DAS FEST

Prem. 2003 – „In diesem Jahr waren sich Kritik, Kollegen und nicht zuletzt die Zuschauer schnell einig über die herausragende Qualität einer Inszenierung, die gestern Abend (8.12.03) folgerichtig mit dem Kölner Theaterpreis 2003 gekrönt wurde: Für seine spannungsgeladene Bühnenadaption von Thomas Vinterbergs Film DAS FEST nahm Regisseur und Theaterleiter Joe Knipp beim Festakt im Mediapark die Auszeichnung entgegen.“ Köln.Rundschau

„Schachspiel und Explosion, Choreographie und Chaos: So könnte man die Pole benennen, zwischen denen Joe Knipp seine Inszenierung in Spannung hält. (…) In der Enge des Theaters am Sachsenring gibt es keine Pufferzonen, Personen aus drei Generationen prallen derart aufeinander, dass Wörter zu Messern werden. (…) Das Familiendrama wird zum Drama der Familie, ja zu einer Enthüllungsgeschichte über die Abgründe der bürgerlichen Gesellschaft.

Tortenszene in Das Fest im Theater am Sachsenring Köln

Umso besser gelingt dies, als Joe Knipp auf alles zufällig Private, auf jedes schmückende Beiwerk und auf alles Anekdotische verzichtet. Man erkennt die Linie, die von Ibsen zu Vinterberg führt. (…) Es ist, als wären die Rollen den Schauspielerinnen und Schauspielern angepasst, umso mehr steigern Bewegung, Berührung und bei Kontakten springende Funken die in den Dialogen angelegte Spannung…“

Aus der Preisrede von Rainer Hartmann

Inszenierung: Joe Knipp; Bühne: Hannelore Honnen; Kostüme: Hannelore Honnen, Martina Volkmann; Musik: Albrecht Zummach; Assistenz: Anja Schöne.

Mit: Sibylle Kuhne; Walter Gontermann/ Hans-Peter Deppe; Hans-Rolf Fuchs; Marietta Bürger; Stefanie Mühle; Ozan Akhan; Richard Hucke; Hans Holzbecher; Anne Simmering/ Maike Kühl; Beate Bohr; Frank Meyer.

Beklemmung bis zur Atemnot

von Rolf Finkelmeier

…Alle Inszenierungen konnte man wirklich nicht als Glücksfall bezeichnen. Und nun kommt da so eine Kleinbühne, wie das Theater am Sachsenring in Köln, mit einem Fassungsvermögen von 60-70 Zuschauern und einem Nudelbrett als Bühne und wuchtet dieses Stück darauf. Wechselbad der Gefühle. Da ist die Neugier: Wie wollen die das machen? Das Gefühl: Das muss doch in die Hose gehen. Die Frage: Warum tust du dir das an? Elf Personen auf diesem Nudelbrett?! Elf Personen brauchen keinen Autor, den haben sechs andere schon gefunden. Elf Personen brauchen einen fast schon genialen Regisseur. Doch dann geschieht das, was am Theater so selten geworden ist, die Szene beginnt und eine innere Stimme sagt dir: Gut, dass du das nicht versäumst.

Die Geschichte hat es in sich. Vater Helge, erfolgreicher Hotelier, feiert seinen 65. Geburtstag. Alle kommen. Auch Sohn Christian, der in Paris zum erfolgreichen Geschäftsmann wurde, Tochter Helene, und auch der nicht geladene Sohn Mikael, der in den Augen des Vaters ein Versager ist. Ständig anwesend ist auch die aus dem Leben geschiedene Tochter Linda. Christian hat eine ganz besondere Festrede aus Paris mitgebracht. Er erzählt dem erlauchten Familienkreis wie er wechselweise mit seiner Schwester Linda vom Vater vergewaltigt wurde. Die Bombe explodiert in Zeitlupe. Die Familie reagiert wie die Gesellschaft in solchen Fällen auch: durch Überhören. Dem folgt die Flucht ins Rituelle, in diesem Fall der disziplinierte Ablauf der Feier. Zur Farce verkommt es dann, wenn der Großvater immer wieder zur gleichen, unpassenden Geburtstagsrede anhebt, die er wahrscheinlich schon seit 20 Jahren in der Tasche trägt. Im Hintergrund zieht die verstorbene Linda bedächtig ihre Strippen.

Es gibt kein entrinnen. Man wäre doch so gerne so lustig und würde gerne feiern. Doch wie Mehltau auf Rosen legt sich die Wahrheit auf die Figuren, bis auch der letzte die Tatsachen nicht mehr leugnen kann. Dies alles geschieht auf einer weißen, leeren Bühne, die nur mit Stühlen bestückt ist. Die Akteure sind ebenfalls alle in weiße, oder doch sehr helle Kleidung gewandet. Das Ganze macht einen klinischen Eindruck. Oder den eines keimfreien Labors. Hier findet ein Säuberungsprozess im besten Sinne statt. Die Bühne – das „Nudelbrett“ – erweist sich als ideal. Die Leere gibt Raum zum Spiel. Zur Entfaltung der Rollen und Charaktere und Raum für Gefühl. Die Enge macht ein Vergraben oder Verstecken unmöglich. Es gibt keinen Raum zur Flucht.

Die Geschichte hat es in sich. Vater Helge, erfolgreicher Hotelier, feiert seinen 65. Geburtstag. Alle kommen. Auch Sohn Christian, der in Paris zum erfolgreichen Geschäftsmann wurde, Tochter Helene, und auch der nicht geladene Sohn Mikael, der in den Augen des Vaters ein Versager ist. Ständig anwesend ist auch die aus dem Leben geschiedene Tochter Linda. Christian hat eine ganz besondere Festrede aus Paris mitgebracht. Er erzählt dem erlauchten Familienkreis wie er wechselweise mit seiner Schwester Linda vom Vater vergewaltigt wurde. Die Bombe explodiert in Zeitlupe. Die Familie reagiert wie die Gesellschaft in solchen Fällen auch: durch Überhören.

Dem folgt die Flucht ins Rituelle, in diesem Fall der disziplinierte Ablauf der Feier. Zur Farce verkommt es dann, wenn der Großvater immer wieder zur gleichen, unpassenden Geburtstagsrede anhebt, die er wahrscheinlich schon seit 20 Jahren in der Tasche trägt. Im Hintergrund zieht die verstorbene Linda bedächtig ihre Strippen.

Es gibt kein entrinnen. Man wäre doch so gerne so lustig und würde gerne feiern. Doch wie Mehltau auf Rosen legt sich die Wahrheit auf die Figuren, bis auch der letzte die Tatsachen nicht mehr leugnen kann. Dies alles geschieht auf einer weißen, leeren Bühne, die nur mit Stühlen bestückt ist. Die Akteure sind ebenfalls alle in weiße, oder doch sehr helle Kleidung gewandet. Das Ganze macht einen klinischen Eindruck. Oder den eines keimfreien Labors. Hier findet ein Säuberungsprozess im besten Sinne statt. Die Bühne – das „Nudelbrett“ – erweist sich als ideal. Die Leere gibt Raum zum Spiel. Zur Entfaltung der Rollen und Charaktere und Raum für Gefühl. Die Enge macht ein Vergraben oder Verstecken unmöglich. Es gibt keinen Raum zur Flucht.

In diesem Spannungsfeld laufen die elf Darsteller zur Hochform auf. Man darf behaupten, hier ist jeder ideal besetzt. Was da in diesem kleinen Theater geboten wird, ist Schauspieler-Theater der Extraklasse. Es dürfte sicherlich auch ein Idealzustand zwischen Akteuren und Regisseur (Joe Knipp) gewesen sein. Denn in dieser Klasse der Darbietung hat man das Gefühl die Hand eines Regisseurs kaum zu spüren. Mit hoher Intensität, einer Tonabnahme der Schauspieler von seltener Güte und mit einer Glaubwürdigkeit, die rar geworden ist, fährt hier die Verlogenheit in den Orkus.
Kann es in solch einer geschlossenen Inszenierung noch Höhepunkte geben. Sie gibt es.

Szene Schlägerei in Das Fest im TAS

Da ist Richard Hucke in der Rolle des Christian. Zu Beginn noch verschüchtert, von der Reaktion oder Nichtreaktion der Gesellschaft geschockt, steigert er sich fast bis zur Selbstaufgabe. Stefanie Mühle spielt die zerrissene ältere Schwester Helene sehr differenziert. Hin und her gerissen zwischen den Gefühlen die Familie retten zu wollen, zwischen der Liebe zum Bruder und der verstorbenen Schwester gewinnt zum Schluss die Realität die Oberhand. Hans Holzbecher als Mikael überzeugt durch ein radikal ehrliches Spiel. Die Freude des Wiedersehens mit dem Bruder ist genau so echt wie der plötzliche Hass auf ihn als er die Familienbande zerreißen sieht, wie auch zum Schluss der Hass auf den Vater. Dieser wird mit einer unterschwelligen Machtfülle ideal von Walter Gontermann wiedergegeben. Klasse! Glückwunsch! Bravo!

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