Zur Lage

+++ Aktuell +++ Das Kulturamt Köln verweigert dem TAS jede Förderung +++ Das Theater wird schließen müssen  +++ Aktuell +++ Das Kulturamt Köln verweigert dem TAS jede Förderung +++ Das Theater wird schließen müssen

Das Theater muss schließen

Liebes Publikum,

es ist ein Schock für uns, für unser Publikum und die mit uns verbundenen Menschen: Am 01.01.2020 – nach 33 Jahren – wird das Theater am Sachsenring Geschichte sein. Wir geben auf. Wir waren immer bereit zu kämpfen, aber der jahrelange Kampf um Förderung unseres Hauses hat uns viel Kraft gekostet und im Ergebnis keine wirklich entscheidende Hilfe von Seiten der Stadt gebracht. So wird eines der ältesten Theaterschiffe in Köln die Segel streichen müssen.

Das Theater am Sachsenring hat Hilfe gebraucht und von vielen Menschen bekommen, die das Theater lieben. Dafür sind wir sehr dankbar. Das Kulturamt der Stadt Köln hat uns im Stich gelassen. Schon seit 2005 fehlt uns jede seriöse Grundförderung, seit aber 2019 erstmalig auch noch die Förderung jeder Stückproduktion abgelehnt wurde, war klar, so können wir nicht weiter machen.

Nach einem unverschuldeten finanziellen Engpass, hatte das Theater im Sommer 2018 das Kulturamt zusätzlich um finanzielle Überbrückung gebeten. Auch dieser dringenden Bitte wurde nicht entsprochen.

Damit war das Theaters am Sachsenring existenziell gefährdet. Schon im letzten Jahr hatten wir gehofft, dass dem Theater nach über drei Jahrzehnten und nach 14 Jahren ohne Betriebsförderung, angesichts seiner kontinuierlichen und erfolgreichen künstlerischen Arbeit, endlich wieder eine angemessene Unterstützung zugesprochen würde. Das ist nicht geschehen. Noch einmal 4 Jahre warten – unmöglich.

Tanz Scholmann, Herkenhoff in Tür auf, Tür zu im Theater am Sachsenring Köln

oben (Foto: Barbara Siewer)

Bettina Scholmann und Jonas Herkenhoff in:
TÜR AUF, TÜR ZU (Ingrid Lausund)

Die Kulturpolitiker wollten ihrer Verwaltung an dem Punkt nicht mehr folgen und haben in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause 2019 die Verwaltung aufgefordert, mit einer Liquiditätshilfe die Schließung zu verhindern. Ein wichtiges Signal, das uns alle vor allem moralisch noch einmal aufbauen konnte. Aber – die Liquiditätshilfe betrug gerade einmal 15% der beantragten Summe. Zu wenig.

Wir haben alles gegeben. Alles Geld und alle Kraft. Alle Leidenschaft und alle Liebe. Jetzt können wir nicht mehr. Das fehlende Geld raubt uns alle Möglichkeiten. Möglichkeiten, die wir immer hatten. Grenzenlose Weite auf kleiner Bühne. Inszenierungen, die atmen, Menschen, die spielen durften. Wir waren zeitgenössisch und politisch und dafür brauchten wir kein ‚Reloaded‘, keinen Lärm und keine Filmschnipsel.
Das Publikum liebte Schauspiel in unserem Theater. Damit ist es jetzt vorbei.

Diese seit Jahren andauernde Missachtung hat uns mürbe gemacht. Trotzdem haben wir bereits seit Monaten Maßnahmen ergriffen, die Säulen unserer Arbeit zu stärken, selbst diese Entwicklung wollte das Kulturamt nicht anerkennen.
Es gab neue Partner, im musikalischen wie auch im theaterpädagogischen Bereich, neue Stück-Formate, woraus auch eine Erweiterung des Spielplans resultierte. Zudem kehren mit dem Autor Tony Dunham und dem Kabarettisten Thomas Reis zwei renommierte Kölner Künstler an das Haus zurück. Die Presse lobt die Inszenierungen, die Bewertungen der Zuschauer sind ausgezeichnet. Die Theatergemeinde wie auch die Freie Volksbühne haben angekündigt, die Inszenierungen der nächsten Spielzeit – „Die Weihnachtsengel“, „Schimpf vor zwölf“, „Der Meister und Margarita“ oder „Oleanna“ – für ihre Abonnenten aufzunehmen.

Seit 32 Jahren machen wir Theater in und für Köln, wir sind eine Institution mit einem Repertoire von aktuell 16 Stücken, einem hochrangigen Ensemble und einem begeisterten Publikum. Dass die für Kultur zuständige Verwaltung jede Hilfe verweigert, macht uns fassungslos, ohne finanzielle Unterstützung kann ein solches Theater nicht überleben. Die Verwaltung hat ihr Ziel erreicht. Wir sind am Ende.

Leitung des Theaters am Sachsenring, Köln

Spenden an das Theaterkonto: IBAN: DE77 3705 0198 0009 7120 27

unsere Spendenseite wird unterstützt von Jochen Busse und zahlreichen prominenten Künstlern, die Zeichnung ist zur Premiere von DRACULA entstanden und stammt von dem mehrfach ausgezeichneten Karikaturisten Heiko Sakurai.

IBAN: DE77370501980009712027

Dracula-Spendenaktion (Karikatur: Heiko Sakurai)

Zeichnung von Heiko Sakurai.

Auch „Meine Südstadt“ berichtete…

… und erhielt ein Statement aus dem Amt.

Da tauchen, wie wir schon ahnen konnten, dieselben Rechtfertigungen auf, mit denen die Verwaltung, die sich seit Jahren weigert, unserem Theaters zu helfen, die Verschleierung einer verfehlten Politik fortsetzen kann.

Immer noch wird kein Fehler eingestanden, im Gegenteil, es wird nachgetreten. Und immer wieder wird behauptet, Unterlagen und Wirtschaftspläne seien vom Theater nicht eingereicht worden. Um es so deutlich wie möglich zu sagen: Das ist eine Lüge. Wir haben mehrfach Unterlagen und auch Wirtschaftspläne, wie auch Fortschritte in der Umstrukturierung dokumentiert und eingereicht. Immer ohne Ergebnis. Wir durften zum Teil einen Monat auf eine Antwort warten. Ein Termin für ein versprochenes Gespräch ist uns bis heute nicht genannt worden.

Nur zum Vergleich. Nachbar-Theater in der Südstadt erhielten bis zu einer Million Euro Zuschüsse in vier Jahren. Das ist wahrlich nicht viel, wie wir alle wissen.
Im gleichen Zeitraum – in den letzten vier Jahren – erhielt das TAS (nach den Angaben des Amtes) sage und schreibe 27.400 Euro für drei Projekte (!) – also für Autoren, Regie, Dramaturgie, Komponisten, Schauspieler, Musiker, Bühne, Kostüme usf. Und darauf scheint das Kulturamt auch noch stolz zu sein. Dazu kamen jeweils noch kleine Summen für Druckkosten zum 30jährigen Jubiläum (!) und zweimal in 14 Jahren ein Mietkostenzuschuss. Soviel zur Verhältnismäßigkeit. Ganz zu schweigen von Sanierung Oper und Schauspiel. Wir wissen: Too big to fail.

Hier wird klar: Das Amt sorgt seit 14 Jahren dafür, dass die wirtschaftliche Stabilität eines Theaterbetriebes ins Wanken gerät, um dann von dieser Tatsache ableiten zu können, dass ein solches Theater nicht förderungswürdig sei. Verlogener geht es kaum noch.

Eine Begründung für die Ablehnung unserer Anträge auf Konzeptionsförderung, wie auch auf Bezuschussung von Projekten („Oleanna“ von David Mamet; „Der Meister und Margarita“ von Bulgakov) im letzten Jahr, hat es nie gegeben.

Noch einmal zu den Fakten über den unendlichen Krieg gegen ein Theater: Seit 2005 wird dem TAS ein Basiszuschuss verweigert. Das Theater am Sachsenring erhielt noch 2003 für die beste Inszenierung des Jahres („Das Fest“) den renommierten Theaterpreis. 2005 wurde das Haus dann von der Förderung ausgeschlossen. Der Zuschuss von 60.000.- Euro wurde ersatzlos gestrichen.
Diese Entscheidung wurde von allen Seiten kritisiert. Unter der Überschrift „Ein Papier mit Geschmäckle“ schrieb die ‚Kölnische Rundschau‘: „Es wäre schon interessant gewesen zu erfahren, warum mit Theaterpreisen ausgezeichnete Theater gestrichen werden“.

Inszenierungen wie die des TAS, die von der Presse als „Schauspielertheater der Extraklasse“ beschrieben wurden, fielen im Amt als ‚altmodisch‘ durch.

Es reicht. Wir können Demütigungen und Lügen nicht mehr ertragen. Das sind keine Missverständnisse, sondern die bewusst betriebene Ausgrenzung eines Theaters, das sein Publikum 33 Jahre lang mit intensiven, bilderreichen Inszenierungen erfreuen durfte. Es tut uns unendlich leid für unser Ensemble und für unser Publikum.

Warum gibt es in Köln seit so vielen Jahren so viele kulturpolitische Niederlagen? Mit Betrachtungen unter dem Motto „Die einen sagen so, die anderen so“, kommen wir nicht weiter. Wer forschen würde, könnte herausfinden, welche Hintergründe eine Rolle spielen, die zur Schließung dieses Theaters geführt haben. Sich eine einfache Frage zu stellen, könnte hilfreich sein: Warum wurde ein Theater, dass von den 90er Jahren bis 2005 ein wirtschaftlich stabiler Betrieb war und als eines der besten Theater in Köln galt, systematisch von einer Verwaltung zugrunde gerichtet?

oben (Fotos: Judith Levold)

letzte Proben zu DIE WEIHNACHTSENGEL Komödie von Thomas Reis –
mit Anna Möbus und Nina Ruhz am 14. November

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Brosche des Theater am Sachsenring

Das Theater am Sachsenring – eines der renommierten Theaterhäuser in Köln.

Konkret sammeln wir ab jetzt Spenden um wichtige, bereits geplante Produktionen, wie DER MEISTER UND MARGARITA für die Zukunft, vielleicht an einem anderen Ort, zu finanzieren. Ein großes Werk des russischen Autors Bulgakov, eine vielschichtige politische Satire. Auch der Antrag für diese Produktion wurde vom ‚Beirat im Kulturamt‘ abgelehnt. Ich nenne das ein interessantes Signal. Wie Topor sagte: Wer die Kunst nicht liebt, kann ja immer noch das Fernsehen einschalten. Oder – ganz zeitgenössisch – in den dot.com-Echokammern versauern.

Das TAS hat sich seit vielen Jahren auch durch die Inszenierungen großer Klassiker einen Namen gemacht PEER GYNT * DRACULA * DIE MÖWE *oder zuletzt * DIE ZAUBERFLÖTE  * „Großes Theater auf kleiner Bühne“.
Diese besondere Theaterarbeit darf nicht untergehen.

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Mail: tas.theater@gmx.de
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