Zur Lage

+++ Aktuell +++ Bleiben Sie gesund +++ Wir danken unserem Publikum +++ Theater am Sachsenring (1987-2020) +++ Schaubühne Köln +++ Bleiben Sie gesund +++ Bis zu einem Wiedersehen +++ 

Die Schaubühne bleibt

Liebes Publikum,

Wir befinden uns in einer ernsten und außergewöhnlichen Situation. So bald werden wir unser Publikum also auch an neuen Spielorten nicht wiedersehen können. Die meisten Theater haben nach wie vor geschlossen. Das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Wir können noch nicht spielen – aber wir denken nach und äußern uns über das Verhältnis Theater – Leben. Denn darum geht es. Wir haben schon immer versucht eine andere Welt zu entwerfen, als die Welt, die uns gerade umgibt. Jenseits von Trump und BILD stehen auch wir für Freiheit und Widerstand, nicht nur auf der Bühne. Gerade weil diese Begriffe heute keine feste Größe mehr sind.

Davon abgesehen stehen wir nach wie vor zusätzlich unter Schock. Für uns, für unser Publikum und die mit uns verbundenen Menschen ist es immer noch kaum zu glauben: Nach 33 Jahren ist das Theater am Sachsenring Geschichte. Wir mussten aufgeben. Wir waren immer bereit zu kämpfen, aber das jahrelange, vergebliche Ringen um eine angemessene Förderung unseres Hauses hat uns viel Kraft gekostet und im Ergebnis keine wirklich entscheidende Hilfe von Seiten der Stadt gebracht. So musste eines der ältesten Theaterschiffe in Köln tatsächlich die Segel streichen.

Das Theater am Sachsenring hatte um Hilfe gebeten und von vielen Menschen bekommen, die das Theater lieben. Dafür sind wir sehr dankbar. Das Kulturamt der Stadt Köln hat uns im Stich gelassen. Schon seit 2005 fehlte jede seriöse Grundförderung, seit aber 2019 erstmalig auch noch die Förderung jeder Stückproduktion abgelehnt wurde, war klar, so können wir nicht weiter machen.

Nach einem unverschuldeten finanziellen Engpass, hatte das Theater im Sommer 2018 zusätzlich finanzielle Überbrückung beantragt. Auch diesem Antrag wurde nicht entsprochen. Damit war das Theaters am Sachsenring existenziell gefährdet. Schon im letzten Jahr hatten wir gehofft, dass dem Theater nach über drei Jahrzehnten und nach 14 Jahren ohne Betriebsförderung, angesichts seiner kontinuierlichen und erfolgreichen künstlerischen Arbeit, endlich wieder eine angemessene Unterstützung zugesprochen würde. Das geschah nicht. Noch einmal 4 Jahre warten – unmöglich.

Die Kulturpolitiker wollten ihrer Verwaltung an dem Punkt allerdings nicht mehr folgen. So hatte sie in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause 2019 die Verwaltung aufgefordert, mit einer Liquiditätshilfe die Schließung zu verhindern. Ein wichtiges Signal, das uns alle vor allem moralisch noch einmal aufbauen konnte. Aber – die Liquiditätshilfe betrug gerade einmal 15% der beantragten Summe. Zu wenig.

Wir haben alles gegeben. Alles Geld und alle Kraft. Alle Leidenschaft und alle Liebe. Wir konnten einfach nicht mehr. Das fehlende Geld raubte uns alle Möglichkeiten. Möglichkeiten, die wir immer hatten. Grenzenlose Weite auf kleiner Bühne. Inszenierungen, die atmeten, Menschen, die spielen durften. Wir waren zeitgenössisch und politisch und dafür brauchten wir kein ‚Reloaded‘, keinen Lärm und keine Filmschnipsel.
Das Publikum liebte genau dieses Schauspiel in unserem Theater. Damit ist es jetzt vorbei.

Und wir hatten unser Theater bereits ‚angepasst. Es gab neue Partner, im musikalischen wie auch im theaterpädagogischen Bereich, neue Stück-Formate, woraus auch eine Erweiterung des Spielplans resultierte. Renommierte Kölner Künstler kehrten an das Haus zurück. Die Presse lobt die Inszenierungen, die Bewertungen der Zuschauer – ausgezeichnet. Die Theatergemeinde wie auch die Freie Volksbühne hatten angekündigt, die Inszenierungen der Spielzeit 2019/2020 – „Die Weihnachtsengel“, „Schimpf vor zwölf“, „Der Meister und Margarita“ und „Oleanna“ – für ihre Abonnenten aufzunehmen.

Mit einem Repertoire von 16 Stücken, einem hochrangigen Ensemble und einem begeisterten Publikum wäre auch in Zukunft ein Spielbetrieb ohne Probleme weiter möglich gewesen – wenn es Unterstützung gegeben hätte. Dass die für Kultur zuständige Verwaltung jede Hilfe verweigerte, verhalf zu einer bitteren Erkenntnis. Die Stadt lässt tatsächlich ein funktionierendes und traditionsreiches Theater im Stich. Ohne finanzielle Unterstützung aber kann in unseren Zeiten Theater nicht überleben. Wir waren am Ende.

Das Ausräumen, die Übergabe sind Mitte Februar abgeschlossen worden. Dem neuen Mieter, der mit mit Schauspielschülerinnen und Schauspielschülern arbeiten will, stellte das Kulturamt sofort Hilfe in Aussicht.

Das Theater am Sachsenring wird als SCHAUBÜHNE KÖLN, als freie Produktionsgemeinschaft weiter arbeiten.
Wir hoffen, für unsere Stücke neue Spielorte zu finden.

Leitung des Theaters am Sachsenring, Köln

unsere Spendenseite wird unterstützt von Jochen Busse und zahlreichen prominenten Künstlern, die Zeichnung ist zur Premiere von DRACULA entstanden und stammt von dem mehrfach ausgezeichneten Karikaturisten Heiko Sakurai.

IBAN: DE77370501980009712027

Oben: Late Night Satire; „Für alle Fälle Fritz“ mit Rebecca Madita Hundt; Theaterpreis für „Das Fest“

unten: Dracula-Spendenaktion (Karikatur: Heiko Sakurai)

Zeichnung von Heiko Sakurai.

Die Uhr geht himmelwärts (Foto: Judith Levold)

Die Zukunft des „Sachsenring“
Von Axel Hill

Irgendwie konnte man es sich nicht so recht vorstellen: So ein altgedienter Theaterhase wie Joe Knipp macht einfach sein Theater am Sachsenring (TAS) zu, wie just am 31. Dezember des vergangenen Jahres geschehen, und das war es dann. Nein, Knipp und sein Team machen weiter: Unter dem Logo „Schaubühne Köln“ gründet er eine freie Gruppe – und macht ganz klar: „Ich will ja nicht aufhören, Theater zu machen!“

Doch trotz einer gewissen Erleichterung habe sich natürlich auch das sprichwörtliche „Loch“ aufgetan, nachdem Silvester der letzte Vorhang gefallen war.

Doch dem versucht Knipp nun mit Aktivität zu begegnen: „Ich führe zur Zeit viele Gespräche, denn wir suchen natürlich zunächst einmal nach einem Spielort – und nach Möglichkeiten zu proben.“
Denn einen Stoff gibt es bereits: „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakov. An der Bühnenfassung hat Knipp in den vergangenen Monaten gearbeitet – auch um sich in den schweren Zeiten „in Arbeit stürzen zu können“. Und auch hier hat der frisch gebackene „„Leiter einer freien Theatergruppe“ eine weitere Aufgabe: die Finanzierung, die zunächst einmal mit Spenden gestemmt werden soll. „Und vielleicht bekommen wir ja eines Tages wieder Förderung von der Stadt“, hofft Knipp.

Und was passiert nun mit den Räumlichkeiten am Sachsenring? „Wir haben Donnerstagmorgen den Mietvertrag unterschrieben“, freut sich Robert Christott, der Leiter der Theaterakademie…
„Wir bilden ja recht gezielt Schauspieler für die freie Szene aus.“ Am Sachsenring soll nun eine Art Studiobühne entstehen, in denen die Schüler in allen Bereichen der Theaterarbeit Erfahrungen sammeln können: auf und hinter der Bühne, als Regisseure oder Regieassistent, in Abendbetrieb, Spielplanplanung, Marketing. „Ähnlich wie bei einem Supermarkt, der von Azubis geführt wird – natürlich mit professioneller Betreuung. Für die Schüler ist das eine gute Vorbereitung, etwa wenn sie später einmal selber eine Gruppe gründen wollen“, ist sich Christott sicher. Träger ist der „Akademietheater e.V., vom Kulturamt gibt es bislang sehr viel „Rückendeckung“, so Christott, weitere Unterstützung nicht ausgeschlossen.

„Und wir als Dozenten haben schon lange überlegt, dass wir gerne einmal zusammen spielen würden – das könnte man sich natürlich gut dort vorstellen.“ Wenn man die Theaterschüler, die dann „ihr Haus“ leiten, überzeugen kann, eine solche Produktion in den Spielplan aufzunehmen.

Auch „Meine Südstadt“ berichtete…

… und erhielt ein Statement aus dem Amt.

Immer noch wird kein Fehler eingestanden, im Gegenteil. Man habe Zuschüsse gegeben…

Nur zum Vergleich. Nachbar-Theater in der Südstadt erhielten bis zu einer Million Euro Zuschüsse in vier Jahren. Das ist wahrlich nicht viel, wie wir alle wissen.
Im gleichen Zeitraum – in den letzten vier Jahren – erhielt das TAS (nach den Angaben des Amtes) sage und schreibe 27.400 Euro für drei Projekte (!) – also für Autoren, Regie, Dramaturgie, Komponisten, Schauspieler, Musiker, Bühne, Kostüme usf. Und darauf scheint das Kulturamt auch noch stolz zu sein. Soviel zur Verhältnismäßigkeit. Ganz zu schweigen von Sanierung Oper und Schauspiel. Wir wissen: Too big to fail.

Hier wird klar: Das Amt sorgt seit 14 Jahren dafür, dass die wirtschaftliche Stabilität eines Theaterbetriebes ins Wanken gerät, um dann von dieser Tatsache ableiten zu können, dass ein solches Theater nicht förderungswürdig sei. Verlogener geht es kaum noch.

Noch einmal zu den Fakten über den unendlichen Krieg gegen ein Theater: Das Theater am Sachsenring erhielt noch 2003 für die beste Inszenierung des Jahres („Das Fest“) den renommierten Theaterpreis. 2005 wurde das Haus dann von der Förderung ausgeschlossen. Der Zuschuss von 60.000.- Euro wurde ersatzlos gestrichen.
Diese Entscheidung wurde von allen Seiten kritisiert. Unter der Überschrift „Ein Papier mit Geschmäckle“ schrieb die ‚Kölnische Rundschau‘: „Es wäre schon interessant gewesen zu erfahren, warum mit Theaterpreisen ausgezeichnete Theater gestrichen werden“.

Wir haben die bewusst betriebene Ausgrenzung eines Theaters erlebt, das sein Publikum 33 Jahre lang mit intensiven, bilderreichen Inszenierungen erfreuen durfte. Es tut uns unendlich leid für unser Ensemble und für unser Publikum.

Brosche des Theater am Sachsenring

Das Theater am Sachsenring wird zur „Schaubühne Köln“

Wir sammeln ab jetzt Spenden um wichtige, bereits geplante Produktionen, wie DER MEISTER UND MARGARITA für die Zukunft, vielleicht an einem anderen Ort, zu finanzieren. Ein großes Werk des russischen Autors Bulgakov soll zu einem großen Theaterabend in zwei Teilen werden. Wie Topor sagte: Wer die Kunst nicht liebt, kann ja immer noch das Fernsehen einschalten. Oder – ganz zeitgenössisch – in den dot.com-Echokammern versauern.

Das TAS hat sich seit vielen Jahren auch durch die Inszenierungen großer Klassiker einen Namen gemacht PEER GYNT * DRACULA * DIE MÖWE *oder zuletzt * DIE ZAUBERFLÖTE  * „Großes Theater auf kleiner Bühne“.
Diese besondere Theaterarbeit darf nicht untergehen.

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Mail: tas.theater@gmx.de
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