Die Wut

Uraufführung

von Hannelore Honnen
nach Dostojewski "Aus dem Dunkel der Großstadt"

Die "Wut", inszeniert von Hannelore Honnen bescherte dem Theater am Sachsenring eine der eindrücklichsten Uraufführungen der ersten Jahre. Und den ersten 'Dauerbrenner'.

1991 eingeladen zum Internationalen Theaterfestival nach Volgograd in die UdSSR. Die Prawda schreibt: "lasst uns zu Dostojewski zurückkehren!" Das Theater am Sachsenring wird mit dem Festivalpreis ausgezeichnet.

rechts: Gereon Nußbaum mit Angelika Pohlert
unten mit Albrecht Zummach.
Ein dunkler Raum, ein Mann auf einem Stuhl, in einer fast zu kurzen Jacke. Mit düsterer Mine erklärt er seinen Zorn, seine Wut über den gemeinen Alltagsmenschen.

Leise, fast pedantisch entfaltet sich seine Rede, verzweigt sich.
Er verflucht den Massenmenschen, der seinem Genie im Wege steht. Ein kleiner Mann, der sich hineinsteigert. Raskolnikow sitzt erst auf einem Stuhl vor einem Vorhang, nah am Publikum, dann läuft er herum und stößt mit seinen imaginären Hörnern gegen imaginäre Wände. Hilflos, unberechenbar. Schließlich zusammen gekauert, vereinsamt. Ein Ausgestoßener, sich selbst ausstoßender.

Die Bühne öffnet sich. Der Hintergrund gewinnt Tiefe, wird heller. Der Schleier wird durchsichtig, dann fällt er. Die junge Sonja ist aufgetaucht. Sie will er retten. Wenn nötig mit Gewalt.

In einer anderen Szene wartet unser "Held" auf seinen Tee, sein Diener (Albrecht Zummach) lässt ihn warten, raucht und liest. Wer ist Herr, wer Diener? Die Lust an der Unterwerfung wird zur stummen Zeremonie. Die Unterworfenen, die masochistischen Kleinbürger, sind sie die Gewalttäter im Wartestand?

Genauer Rhythmus und Präzision geben diesem Exempel eine beklemmende Dringlichkeit, Unaufhaltsamkeit. Die Ebenen schneiden sich nicht im Unendlichen, sondern in einer Bluttat, die ungezeigt bleibt.

Vor- und Hinterbühne, ein Stuhl, ein Paravan, ein Bett. Der leere Raum - ein Markenzeichen der TAS-Inszenierungen.