Verwanzt (Bug)

verwanzt
Silke Natho und Simon Cox in "Verwanzt"

 

von Tracy Letts

Deutschsprachige Erstaufführung
Inszenierung: Joe Knipp
mit: Maike Kühl, Silke Natho, Simon Cox und Christian Ingomar

Ein neues Stück am Sachsenring. Es ist die deutsche Erstaufführung eines großen Erfolges am Off-Broadway vom Herbst 2004: "Bug".
also, wenn ich ne kakerlake wär, hätt' ich wahrscheinlich kapiert, was hier sache ist.
Das Theater am Sachsenring zeigt das amerikanische Stück in deutschsprachiger Erstaufführung unter besonderen Umständen in einer besonderen Zeit.
es ist gut, wenn du angst hast.
Eine Geschichte zwischen Satire und Thriller. Ein Fünf-Personen-Stück in einem Motelzimmer, irgendwo in Amerika. Da treffen sich Agnes White, die Kellnerin und der GI Peter Evans.
"Man ist nie ganz sicher. Früher, vor langer Zeit lebten die Leute vielleicht noch sicher, aber das gibt's heute nicht mehr. Nicht auf diesem Planeten."
hautbrutstätteneiersackwanzen
"Verwanzt" ist eine mysteriöse Szenerie, in der die Hauptfiguren Peter und Agnes sich von der Sicherheit ihres früheren Lebens immer weiter entfernen. Sie verlieren sich, umkreisen einander, verlieben sich und sehen sich mehr und mehr eingekreist von Grillen, Wanzen und Hubschraubern.
sie können dich sogar in den Wahnsinn treiben.
Ist es Wahn?
Aber was ist Wirklichkeit? Was ist Wahrheit, was ist Lüge?
"Es ist aber gut, wenn du Angst hast" sagt Peter und sucht die Wahrheit.
Auf ihrer Suche begegnen Agnes und Peter der Realität in Gestalt von Dr. Sweet.
nicht totmachen. das bringt Unglück.
Können wir uns eine politische Realität vorstellen, in der uns biologische Mikrochips implantiert werden, damit - für wen auch immer - nachvollziehbar ist was wir tun, wo wir uns gerade befinden? Sicher nicht - vielleicht leiden Agnes und Peter auch nur am ganz normalen Verfolgungswahn.
tu das nie wieder!

über den Autor:
Tracy Letts, geboren am 4. Juli 1965 in Tulsa, wuchs in der kleinen konservativen Universitäts-Stadt Durant in Oklahoma auf, wo seine Eltern ein liberal-künstlerisches Haus führten. Nach einer Dekade des Drogen- und Alkoholmissbrauchs gelang es Letts ohne jegliche Ausbildung, sich eine Karriere als Schauspieler und Dramatiker aufzubauen. Während der sensationell erfolgreichen New Yorker Produktion von Bug im Frühjahr 2004 stand er als "George" in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" auf einer anderen Bühne der Stadt.
Ein schöner Zufall. Beide Stücke, "Bug" und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" werden in Köln vom Theater am Sachsenring gespielt.
2005 gewinnt "Bug" den Preis für das beste neue Stück. (Lucille Lortel Award for Best New Play!) Der Erfolg wird Kult.
2006 wurde das Stück nun auch verfilmt unter der Regie von William Friedkin (Der Exorzist, French Connection).

Kritiken

Kölner Stadt-Anzeiger

IM VERFOLGUNGSWAHN

Joe Knipp inszeniert die deutschsprachige Erstaufführung im Mediapark.

Nach einer halben Stunde beginnen die ersten Zuschauer sich zu kratzen. Bald hat das große Jucken von der ganzen ersten Reihe Besitz ergriffen. Kein Wunder: Auf der Bühne des Studios der SK Stiftung Kultur gibt das Ensemble des Sachsenring-Theaters „Verwanzt“, die deutschsprachige Erstaufführung eines Überraschungserfolgs am New Yorker Off-Broadway 2004. In der Psychostudie von Tracy Letts wimmelt es vor Kerbtieren: blutsaugende Blattläuse, Flugameisen, Wanzen!

Natürlich kriechen nicht wirklich Insekten durch das Studio. Aber auch eingebildete Wanzen, merkt das Publikum, können einen um den Verstand bringen. Für Peter, einen ehemaligen GI, sind Kerbtiere aller Art zu einer Zwangsvorstellung geworden. Bei einem Einsatz in Syrien hat man ihn zusammen mit anderen Soldaten einem Drogenexperiment unterworfen und ihm in einem Armeekrankenhaus intelligente Biochips eingepflanzt - unter die Haut, wie er glaubt. Wanzen. „Wer sollte denn so was Böses tun?“ fragt Agnes, selbst eine Gestrauchelte, in deren Motelzimmer Peter auf seiner Flucht aus dem Krankenhaus Unterschlupf findet. „Die Regierung natürlich“, meint der Infizierte. Und hat sich längst blutig gekratzt.

Verschwörungstheorien übten schon immer großen Reiz auf Teile der amerikanischen Gesellschaft aus. In Tracy Letts' „Bug“ verschwimmen Verfolgungswahn und staatsbürgerliche Skepsis zu einer untrennbaren Einheit. Bemerkenswert, dass gerade dieses Stück eines bis dahin kaum bekannten Autors in New York zum Sensationserfolg des Jahres 2004 avancierte. Derartige politische Relevanz kann „Verwanzt“ für ein deutsches Publikum schwerlich gewinnen.

Doch Joe Knipps Inszenierung weiß dem Gespinst allgegenwärtiger Verfolgung, die schließlich vom eigenen Körper Besitz ergreift, eine bedrohliche Bühnenrealität zu verleihen. Der Raum dafür ist ideal gewählt: Zwei Stockwerke unter der Erde gelegen, vermittelt das Studio im Mediapark 7 den Eindruck einer überdimensionalen Gummizelle, deren Wände im Lauf der Aufführung zusammenzurücken scheinen.

Raffiniert verschachtelt Knipp verschiedene Dialogebenen, Trancemusik, die von allen Seiten zugleich kommt, und Geräuschmuster, die sich endlos wiederholen. Die Zentralbühne, in der Mitte des Raums gelegen, verstärkt mit ihren vier unsichtbaren Wänden noch den Eindruck, einem psychedelischen Experiment beizuwohnen - Ausgang ungewiss. Silke Natho, Christian Ingomar und Maike Kühl spielen wie auf dem Rasiermesser; Simon Cox ist als Peter ein Nervenbündel von ansteckender Zwanghaftigkeit. Sehenswert. Oliver Cech

Kölnische Rundschau

Der Mensch im Überwachungs-Wahn

Deutsche Erstaufführung: Joe Knipp inszeniert „Verwanzt“ von Tracy Letts

(...) Die vier Schauspieler agieren mit großer Sicherheit, jede Figur wird scharf konturiert, und dennoch entsteht eine geschlossene Ensembleleistung. Das Publikum sitzt in dem ehemaligen VIVA Sendestudio um eine Bühne, die wie eine Insel aus Licht wirkt und sich trotz ihrer Abstraktion als Fläche mit erstaunlich vielseitigen Funktionen entpuppt. Joe Knipp inszeniert klar und detailgenau (...) Thomas Linden

koeln.de

Köln: Altes Viva-Studio "verwanzt"

Köln hat einen neuen Theaterschauplatz: das ehemalige Viva-Studio im Mediapark, das jetzt von der SK Stiftung Kultur betrieben wird. Zwei Stockwerke unter der Erde und ein wenig versteckt präsentierte das Theater am Sachsenring hier als Gastspiel eine deutsche Erstaufführung: "Verwanzt" von Tracy Letts.
Unter dem Originalnamen "Bug" war das Stück ein Erfolg in New York und erhielt den Preis als "bestes neues Stück" des Jahres. 2006 folgt die Film-Version unter der Regie von William Friedkin ("Der Exorzist", "French Connection").
(...) Die deutsche Erstaufführung inszenierte Joe Knipp auf einer höchst interessanten Bühne von Hannelore Honnen und Wolfgang Wehlau: ein zunächst weißes Rechteck in der Mitte des Raumes, mit zwei angedeuteten Türen, dazu Schrägen und Untiefen, die das Zimmer, das dargestellt werden soll, als unwirklich-gefährliche Landschaft ins Zentrum rücken.
(...) Das ist alles spannend in Szene gesetzt, und von erstklassigen Schauspielern exzellent dargestellt. Dazu werden die professionellen Sound-Möglichkeiten des ehemaligen Studios außerordentlich genutzt, da knattern Hubschrauber körperlich spürbar durch den Saal, und die finale Explosion lässt einen tatsächlich körperlich erzittern.
Das Premieren-Publikum, u.a. mit dem Leiter des Fischer Theaterverlages Uwe B. Carstensen, der diese deutschsprachige Erstaufführung für Köln ermöglicht hat, spendete sehr großen, lang anhaltenden Beifall. Edgar Franzmann