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Nominiert für den Theaterpreis 2011:


SATISFAKTION - Spengler/Walser/Benjamin

Mirjam Radovic und Signe Zurmühlen als Benjamin/ Walser - nicht im Bild Celina Rongen als Spengler
Mondszene aus "SATISFAKTION - Spengler/Walser/Benjamin" von Hannelore Honnen - nominiert für den Kölner Theaterpreis

SATISFAKTION - Spengler/Walser/ Benjamin

Spengler/ Walser/ Benjamin
SATISFAKTION - Spengler/Walser/Benjamin

Von Hannelore Honnen

Teil I der Trilogie SATISFAKTION

Inszenierung: Joe Knipp

Mit Mirjam Radovic, Signe Zurmühlen, Celina Rongen.
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen; Regieassistenz: Adina Stephan

Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2011

Drei junge Männer treffen im Berlin des Jahres 1911 aufeinander.

Der eine ist Oswald Spengler, dessen "Untergang des Abendlandes" 1923 erscheinen und Furore machen wird. Der andere heißt Walter und ist der Sohn des wohlhabenden Berliner Kunsthändlers Emil Benjamin. Sein Essay: "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit", 1935 veröffentlicht, wird nachhaltige Wirkung haben. Der Dritte, Robert Walser, ist seinem älteren  Bruder Karl nach Berlin gefolgt, der dort schon einige Zeit erfolgreich als Maler, Buchgrafiker und Bühnenbildner lebte. Robert hat dort zwischen 1907 und -09 seine ersten drei Romane veröffentlicht. Allen Dreien gemeinsam ist ein bemerkenswert intensiver Umgang mit der eigenen Kindheit und dem schon früh entstandenen Wunsch, mit Wörtern den Bildern, in denen die Welt sich zeigt, Struktur und Form zu geben. Sie sind beneidenswert jung und wissen doch schon alles, über sich und die beiden anderen.

Drei junge Frauen spielen drei junge Männer. SATISFAKTION. Oswald Spengler, Robert Walser und Walter Benjamin sprechen über Sprache, denken nach über das Denken und versuchen zu schweben. Über den
Saturnringen, über den Affen, die sich von Bombast zu Bombast schwingen - bis heute. Drei junge Männer - schreibende, denkende Menschen, die in ihrer Zeit eine außergewöhnliche Wirkung hatten und in unserer Zeit einen schweren Stand hätten. Eine vorsichtige Annäherung - Rücken an Rücken.

Die Schauspielerinnen öffnen neue Räume für fast vergessene Texte. So klettern sie an Stangen in den Ausguck und schauen über die Welt.

Uraufführung: 15. November 2011

SATISFAKTION - Pressespiegel

Spengler/ Walser/ Benjamin. Mit Mirjam Radovic, Celina Rongen, Signe Zurmühlen.

Denken an der Stange

Philosophie af der Bühne? Das könnte spröde werden. Doch Hannelore Honnen hat Texte von Walter Benjamin, Oswald Spengler und Robert Walser bei der Uraufführung im Theater am Sachsenring elegant zu einer Collage montiert, die Joe Knipp klug und kurzweilig inszeniert.

(...) Autorin Hannelore Honnen führt die drei Männer, die sich im wahren Leben nie trafen, zu einer fiktiven Begegnung zusammen, in der sie über Kunst, Religion, Technik, den Menschen, die Sprache und vieles mehr philosophieren - alle drei wollten der Welt mit Worten eine Form geben. Im Zentrum stehen Benjamins Essay "Über die Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen" und Spenglers "Der Mensch und die Technik". Texte von Robert Walser und knappe Dialoge ergänzen die klug und elegant montierte Collage, die mit einer Vorstellung jedes Denkers beginnt, was sinnvoll ist, denn ihre Texte haben heute wohl nur noch ein Spezialpublikum.

In Honnens Stück sind der Schriftsteller, der Philosoph und der Kulturhistoriker, die wir heute als würdige Herren im Kopf haben, noch jung, ringen um Anerkennung ihrer Texte - eben um "Satisfaktion", folgerichtig also, dass die Darsteller ebenfalls jung sind. Joe Knipp ist allerdings noch einen Schritt weiter gegangen und hat drei Darstellerinnen ausgewählt, Signe Zurmühlen, Celina Rongen und Mirjam Radovic. Die Notwendigkeit für den Geschlechterwechsel erschließt sich zwar nicht, kann man aber vielleicht als Verneigung des Regisseurs vor drei jungen Talenten deuten, die, wie die dargestellten historischen Personen, noch einiges vor sich haben. (...) Jede ist in einer anderen Farbe gekleidet: Radovic alias Benjamin als blauer Marinesoldat, Zurmühlen als grüner, gediegener Jäger, Rongen als roter Student.

Auf der leeren Bühne steht ein Überseekoffer, liegen Bücher. Zwischendurch räkeln sich die Schauspielerinnen an Poledance-Stangen - wohl um zu zeigen, dass die drei Philosophen einen Überblick über die komplexe Welt zu bekommen suchten, oder auch, um ihren größtmöglichen Gegensatz zu erotischen, jungen Frauen anzudeuten. Doch auch die komplexe Philosophensprache wirkt auf der Bühne frisch und anziehend, wenn sie so gewandt gesprochen wird - die drei folgen den alten Herren auf ihren Höhenflügen. "Wir haben nicht das mindeste Talent, Andenken zu hinterlassen", heißt es am Schluss. Stimmt nicht: "Satisfaktion" ist eine kurzweilige, witzige und würdige Einladung, sich mit den Werken dieser etwas in den Hintergrund gerückten Denker zu beschäftigen.

Dina Netz für akT Feb. 2012

Frühes Misstrauen

"Sie haben sich nie kennen gelernt ... Hannelore Honnen führt die drei völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten in der Uraufführung ihres Stückes "SATISFAKTION" zusammen und lässt in ihren Szenen ... wichtige Kapitel europäischer Geistesgeschichte wieder aufleben.  Wie Fixsterne kreisen die drei Denker umeinander  ...  Celina Rongen (Spengler), Signe Zurmühlen (Walser) und Mirjam Radovic (Benjamin) geben alles, um die Persönlichkeiten auch sinnlich erfahrbar zu machen. Indem sie immer wieder an zwei Stangen hochklettern, gelingt ihnen der Blick über den eigenen intellektuellen Horizont hinaus. 'Mein Grundaffekt ist ein unbezwingliches Misstrauen in den Gang der Dinge', sagt Benjamin und findet damit die Klammer zu seinen Mitstreitern, die ebenso wie er schon früh dem Gefühl der Fremdheit in einer verlogenen Gesellschaft Ausdruck verliehen. Besonders Walser reflektierte sein Außenseitertum in seinen oft autobiografischen Werken. Aus seiner Feder stammen die farbigsten Texte der Aufführung..."

BS Kölnische Rundschau

Drei böse junge Männer

"Satisfaktion" im Theater am Sachsenring

Die Satisfaktion ist eine veraltete Form der Wiedergutmachung einer Ehrverletzung, erzielt zumeist im Duell. In der gleichnamigen Uraufführung im Theater am Sachsenring fechten drei junge Autoren ihren gesellschaftlichen Stand und die Bedeutung ihrer Werke für Philosophie, Kunst und Leben mit Worten aus.

Walter Benjamin, Robert Walser und Oswald Spengler waren Zeitgenossen, im echten Leben trafen sie nicht aufeinander. Die Dramatikerin Hannelore Honnen bringt die wenig massenkompatiblen Geister in ihrem Text zusammen, indem sie deren Schriften zu einer tiefsinnigen Collage montiert und auf fesselnde Weise mit biografischen Skizzen mischt. Regisseur Joe Knipp lässt die drei als "angry young men" auf einer fast leeren Bühne von jungen Frauen in Lederhosen und Hüten darstellen. Was inhaltlich keine wesentliche Nuance hinzufügt, aber prima funktioniert, da Mirjam Radovic, Signe Zurmühlen und Celina Rongen sprecherisch stark sind und physisch wie emotional Leistungsfähigkeit zeigen.

Dass sich die Schauspielerinnen zwischen ihren aufgeladenen Monologen um Stangen schwingen müssen und gelenkig an ihnen hochturnen, lässt Raum für Interpretationen ... Gemeint sind wohl die intellektuellen Höhen, die sie in ihren Rollen erklimmen. Und das gelingt ihnen gut (...) (jdü) Kölner Stadt-Anzeiger

Die Produktion "SATISFAKTION - Spengler/ Walser/ Benjamin" wird