Die Möwe

Die Möwe (Tschechow) im TAS
Jennifer Tilesi Silke in: DIE MÖWE

Anton Tschechow

Bühnenfassung und Inszenierung: Joe Knipp; Dramaturgie: Sabine Dissel; Bühne und Kostüme Hannelore Honnen 

Mit Anna Möbus (Arkadina), Jennifer Tilesi Silke (Nina), Nina Ruhz (Mascha), Paul Behrens (Kostja) und Richard Hucke (Trigorin)

Fotos: Barbara Siewer

Premiere: 20. April 2018

Sommer. Müßiggang. Ein Landsitz. Ein Autor wird bewundert. Er kommt mit Irina Nikolajewna Arkadina, eine Schauspielerin alten Schlages. Die Arkadina sehnt sich nach den guten Zeiten auf der Bühne. Ihr Sohn Kostja verachtet die „Priester der heiligen Kunst“. Er schreibt und versucht sich an experimentellem Theater.

Die junge Nina spricht Kostjas großen Monolog, Die Gäste sind belustigt. Kostjas künstlerische Suche nach "neuen Formen" im Schauspiel kommentiert die Mutter mit Hohn und Spott. 
Nina lernt Trigorin kennen und verliebt sich in den berühmten Schriftsteller. Sie will ihm nach Moskau folgen. Kostja ist erschüttert. Er findet sich in einem Alptraum wieder. Seemenschen, Luftwesen, blau, schwarz, grün, durchsichtig-undurchsichtig. Alle reden über Kunst, Geld, Erfolg, das Leben und reden aneinander vorbei. Alle sehnen sich. Alle lieben aneinander vorbei. Alle wollen irgendwo hin und bleiben doch noch einen Augenblick. Wenn ein Schuss fällt, dann hinter der Bühne...

Das Theater am Sachsenring spielt DIE MÖWE von Anton Tschechow.

In diesen aufgewühlten Zeiten haben Kunst und Kultur eine besondere Bedeutung, haben Theater und Sprache einen besonderen Stellenwert. Zeitgenössisches Theater muss sich nicht durch Aktualisierung auszeichnen, oder durch eine Laufschrift mit Börsenkursen über der Bühne. Politisches Theater ist Menschentheater. Tschechow ist ein Autor, der Menschen auf die Bühne bringt. Menschen, die auf tragische Lebensbahnen geraten, leicht, unabwendbar - und wir sehen eine Komödie.

Wir versuchen in dieser Bühnenfassung die Konflikte um das Theater, die Kunst, die Liebe zu zeigen, indem wir dem Text folgen. Er sagt uns auch etwas über unser Leben, unsere Versuche... Wir brauchen das Menschentheater, das Traurige, das Komische, das Lebendige.

R.-R. Hamacher schreibt in einer Rezension für die Rundschau:

Das schlichte Bühnenbild - eine Stehleiter, zwei Bänke im Hintergrund - betont die Zeitlosigkeit von Tschechows Tragikomödie „Die Möwe", die Regisseur Joe Knipp für seine unangestrengte Inszenierung am Theater am Sachsenring (TAS) auf fünf Personen reduziert hat. In diesem dunklen Raum kreisen die Eingeschlossenen in durchsichtigen, an Fliegen-Netze erinnernden Kostümen (Hannelore Honnen) um sich selbst, nutzen ab und an die Fluchtmöglichkeiten aus den Seitentüren und durch den zum Bersten gefüllten Zuschauerraum ...
Tschechows Charakterzeichnung ... findet ihre Entsprechung in der präzisen Schauspielerführung von Joe Knipp ... Anna Möbus (Arkadina) bedient ... sowohl die komödiantischen Momente (in der umwerfenden Verführungs-Szene mit Trigorin), als auch die Tragik ... Schauspiel-Novize Paul Behrens stürzt sich mit unbändiger Verve in Kostjas dekadente Fantasien... Das zurückgenommen-intensive Spiel von Nina Ruhz (Mascha) ... Richard Huckes (Trigorin) Souveränität ... seit langem eine sichere Bank am TAS, ... der Liebreiz und das Charisma, mit dem Jennifer Tilesi Silke ihre Nina ausstattet, ein hoffnungsvolles Schauspielerversprechen für die Zukunft... 

Richard Hucke, Anna Möbus und Nina Ruhz in: DIE MÖWE