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Komödie des Grauens * wieder in der Spielzeit 2016/2017

"Gibt's ein Leben über 40?" - Komödie von Thomas Reis

Gibt's ein Leben über 40?
Oli feiert seinen 40. Geburtstag. Da läuft einiges aus dem Ruder. Ob mit Frauen, oder...

Uraufführung

Komödie von Thomas Reis

Inszenierung: Joe Knipp
mit Felix von FrantziusFelix HöfnerSigne Zurmühlen
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen
Assistenz: Vanessa Weiershausen

Kölnische Rundschau: 4 Sterne

Die Komödie über den heiteren Wahn einer Geburtstagsfeier wurde zu einem großartigen Erfolg und im TAS ein Dauerbrenner.

Ein Stück über den unvermeidlichen 40. Geburtstag mit der unvermeidlichen Geburtstagsfeier, auf der betrunkene Frauen beschenken, ein orientierungsloser Sohn auftaucht, wohlmeinende Freunde Bilanz ziehen und auch Rüdiger - der Frosch - immer etwas zu quaken hat. Die Gäste kommen pünktlich, bis zehn liegen die Themen noch oberhalb der Gürtellinie, dann sinkt das Interesse, es geht nur noch um Sex, es wird ohnehin viel von früher geredet. Aus Hausbesetzern sind Hausbesitzer geworden. Der Nachwuchs ist mit seinem Handy verwachsen und die Mutter zeigt sich erstaunt, dass die Bedeutung des Topfschlagens immer stärker in den Hintergrund rückt. Ist das Altersschwachsinn oder ist das Alter Schwachsinn? Ewige Jugend, die vergänglichste Form der Ewigkeit. Eine Groteske über die heitere Vergeblichkeit des Strebens.

Signe Zurmühlen spielt alle Frauen, Mutter und Sohn, Felix Höfner, spielt alle Freunde des Geburtstagskindes. Und Felix von Frantzius ist 'Oli'.

Felix Höfner, Felix von Frantzius und Signe Zurmühlen in "Gibt's ein Leben über 40?"

Kölnische Rundschau: Eine Avocado im achten Monat

"Gibt's ein Leben über 40?" - vom Kabarett-Solo zum Theaterstück

30? Fast erwachsen. 40? Eine Katastrophe. 50? In diesem Alter war ein anständiger Mensch früher tot. Die Frage "Gibt's ein Leben über 40?" stellte der Kabarettist Thomas Reis schon 2003 aus gegebenem Anlass mit seinem gleichnamigen Erfolgsprogramm. Wie putzmunter man auch jenseits dieser Deadline noch sein kann, beweist er mit seiner Theaterversion seines Solos, die jetzt im Theater am Sachsenring ihre Uraufführung erlebte.

Unter der Regie von Joe Knipp entstand mit drei formidablen Schauspielern ein spritziges Dialogstück, bei dem sich die Pointen nur so überschlagen.

Oli ("Gaststar" aus München: Felix von Frantzius) hat am Vorabend seines Geburtstages solche Angst vorm totalen Verspießern (Stichwort: Einbauküche) (...) "Ich bin doch ein alter Grüner, eine Avocado im achten Monat!" greint er seinem (...) Freund Jürgen (David N. Koch) vor, der schon die Bierkästen Marke Reis-Dorf (mit Thomas-Reis-Portrait) anschleppt. Oli suhlt sich in antikapitalistischer Selbstkritik, (...) bis die Freunde dann natürlich doch noch antanzen. Alle gespielt von David N. Koch, einschließlich dem Frosch Rüdiger, einer Handpuppe, die wie eine Art Katalysator funktioniert.

Reis und Knipp sind natürlich viel zu schlau, um nicht die Gefahr eines auf zwei Männer aufgeteilten Kabarett-Solos zu sehen - und zu umgehen. Dafür steht ihnen die famose Puck-Anwärterin Signe Zurmühlen zur Seite. Sie sorgt in vielerlei treffsicher überspitzten Typen-Karikaturen für das belebende Element im männlichen Jammertal. Mit wenigen Kostümwechseln verwandelt sie sich von Olis nerviger Mutter in das stets angetrunkene, sexsüchtige Hippiemädchen Hilde, die frustrierte Molekularbiologin Jutta und eine knallharte Männerpsychologin.

Überwältigend komisch ist sie als Jürgens halbwüchsiger Sohn Dennis, die dem Leben abgelauschte Studie eines Facebook-fixierten Null-Bock-Totalverweigerers mit schlurfendem Gang und starrem Blick aufs Handy. Die Reaktion des begeisterten Publikums ließ nicht nur hier auf einen hohen Wiedererkennungsfaktor schließen. Denn die bis zur bierseligen Party klug gesteigerte Inszenierung mit dem rasanten Pointen-Feuerwerk trifft bei allen mitten ins schwarze Humorzentrum. (BS)

Kölner Illustrierte

Der 'Olli' hat ein Problem: Er wird 40. (...) Der vielfach ausgezeichnete Kabarettist Thomas Reis (hat) diesem Problem gleich ein ganzes Kabarettprogramm gewidmet. Reis' Regisseur ist Joe Knipp, Hausherr des Theaters am Sachsenring. Gemeinsam entstand die Idee, aus dem Kabarettsolo ein Theaterstück zu entwickeln.

Dass es eine gute Idee war, davon kann man sich zur Zeit im TAS überzeugen. Ein derart intelligent-witziges Gag-Feuerwerk hat wirklich Seltenheitswert.

Die Bilanz zum Vierzigsten

Theater am Sachsenring spielt rasant-komisches Stück über das Leben ab 40

Gibt es denn nun ein Leben über Vierzig? Das schienen die Anwesenden doch wissen zu wollen, die – meistens deutlich über 40 – den kleinen Theatersaal des Theaters am Sachsenring fast vollständig und in offensichtlich freudiger Erwartung besetzten. Die wenigen unter vierzig- und unter dreißigjährigen im Raum waren von dem Stück nicht weniger angetan: Die drei großartigen Schauspieler Felix von Frantzius, Signe Zurmühlen und David N. Koch beförderten die begeisterten Zuschauer von einem Lachanfall in den nächsten. Dank des hervorragend aufeinander eingespielten, die Pointen sicher transportierenden Teams ist das fürs Theater geschriebene Kabarettstück vom Altkabarettisten Thomas Reis unter der Regie von Intendant Joe Knipp erheiternd im besten Sinne.

Das Theater am Sachsenring bietet nach seiner Wiedereröffnung 2011 und seiner 25-Jahr-Feier Anfang 2012 wieder Qualitätstheater vom Feinsten. Die Story: Olli steht kurz vor seinem 40. Geburtstag. Sein bester Freund Jürgen versucht diesen dazu zu bewegen, eine Party zu schmeißen, wovon der wiederum gar nicht begeistert ist. Ollis Ausflüchte nützen nichts: Ab halb zehn am nächsten Abend kommen die Gäste. Die darauf folgenden zwei Stunden lassen kein Klischeebild, kaum ein Thema und keine Ängste der Anfang- Vierziger-Generation aus, ohne jedoch auf verbrauchten Klischees herumzureiten. Die Angst davor, dem „Spießertum“ anzugehören, als aufregendstes Partygespräch über die neue Einbauküche reden zu müssen. Die resignierte Feststellung, vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer geworden zu sein. Der 40. Geburtstag ist unausweichlich und scheint Fragen zum Sinn der bisherigen Vita förmlich aufzudrängen. 

In gekonnten Wortspielen und manchmal sogar derb treten als Partygäste Charaktere auf die Bühne, welche man in ihrer Klischeehaftigkeit zu kennen meint, ausdrucksstark und sehr wandelbar gespielt von Signe Zurmühlen: Die überfürsorgliche Mutter von Olli, die volltrunkene Ex-Frau von Jürgen, die spießig-alberne Bekannte, die auf der Party ihrem Mann den Laufpass gibt, Olli’s Bankberaterin sowie seine männerfressende Psychotherapeutin. Und: Den völlig lethargisch- desinteressierten Sohn von Jürgen, Dennis, für den „Online-sein“ kein Zeitvertreib, sondern seinen Daseinsgrund bildet. „Facebook? Ey ich leb da!“ antwortet der maulfaule Dennis auf die Frage, ob dieser denn von „diesem Facebook“ schon mal gehört habe. Er bildet einen krassen Gegensatz zu seinem Vater Jürgen und vielleicht stellvertretend für dessen Generation: Mach endlich was!, schreit dieser ihn an und verzweifelt an diesem phlegmatischen Sohn, und das auf eine so urkomische Art, das dass Publikum Tränen lacht.

Während Olli und Jürgen über das Dasein, das Älterwerden und das Männerdasein im Besonderen philosophieren, geht die Party ab: Die Themen fallen unter die Gürtellinie, Partygast Rüdiger (originell: Koch spielt Rüdiger als Handpuppe Kermit der Frosch) zieht traurig quakend Bilanz: Sein Misserfolg bei Frauen ist seit Jahren Status Quo. Viel passiert nicht mehr in seinem Dasein als einsamer Nerd.

Das rasante-originelle Stück ist nicht ohne Melancholie, ziehen doch die Protagonisten in ernsthaft- komischer Weise Bilanz über ihr Leben und das Älterwerden. Keinem, der sich an dem Abend ernsthaft die Frage nach dem Leben nach 40 stellen mochte, wurde diese ernsthaft beantwortet: Vielmehr lässt sich das Stück als Anregung dahingehend verstehen, sich und seine Lebensbilanzen – zu egal welchem Zeitpunkt – nicht allzu ernst zu nehmen und einfach herzhaft zu lachen. Absolut sehenswert!

Nathalie Caesar

Kölner Stadt-Anzeiger: Gibt's ein Leben über 40?

Wenn man jenen Tag feiert, der die Pforte zur Midlife-Crisis symbolisiert, stehen Fragen im Raum wie: Ist man nun befreit vom Höher, Schneller, Weiter? Oder kommt jetzt Bettnässen statt Wellnessen? Und: "Gibt's ein Leben über 40?" (...)

Zwei Blumenkästen markieren den Balkon, auf dem abseits der eigentlichen Feier die wesentlichen Gespräche stattfinden. Freilich: Felix von Frantzius als unwilliges Geburtstagskind, David N. Koch als bester Freund und andere Kumpel sowie Signe Zurmühlen, die etliche weibliche Gäste spielt, sind offensichtlich viel zu jung für ihre Rollen. Doch das ist schnell vergessen; den Mangel an Lebensjahren gleichen die Darsteller in diesem Pointenfeuerwerk durch Talent und Spielfreude locker aus. Das Publikum lacht herzhaft bis hämisch über wiedererkannte Macken und spendet großzügig Beifall.

Auch Intendant Joe Knipp strahlt nach der Premiere seiner ersten Inszenierung im Jubiläumsjahr. Die Sorge, ob es für sein 1987 gegründetes Theater am Sachsenring ein Leben über 25 geben wird, scheint vorderhand unbegründet.

(...) Bevor die Kellerbühne im März 2011 ihre Wiederauferstehung feierte, wurde ihm (Knipp) klar: "Ich will und kann nichts anderes machen als dieses Theater. Dem gehört meine ganze Liebe." Freunde und Künstlerkollegen unterstützten ihn. Der britische Autor und Regisseur Tony Dunham steuerte für die Neueröffnung seine Komödie "Traumfrau, verzweifelt gesucht" bei, Hannelore Honnen schrieb die (später für den Kölner Theaterpreis nominierte) literarische Collage "Satisfaktion", und von Thomas Reis kam eben der bissige Ü-40-Schlagabtausch.

Die Hoffnung bleibt

Über diese "guten Leute an den Koordinaten" ist Knipp ebenso glücklich wie über sein Ensemble und die Tatsache, "dass wir das Publikum behalten und ausgebaut haben". (...) Er glaubt fest an sein Theater und die "schöne Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Stücken, Komödien und Kabarett".

Felix von Frantzius und Signe Zurmühlen

Gibt's ein Leben über 40?
Gibt's ein Leben über 40? - Olis Traum