Theater am Sachsenring > Stücke > Shakespeare: Hamlet

Die letzten Termine: 20. (ausverkauft)/21./22./23 und 28./29./30. März 2013: HAMLET - Signe Zurmühlen als "Ophelia" und David N. Koch als "Hamlet"

Hamlet im TAS
Hamlet im Theater am Sachsenring - Signe Zurmühlen und David N. Koch in der Inszenierung von Joe Knipp

Über Inszenierung und Schauspieler: EIN WAHRER SOHN und HAMLET, EISKALT

"Hamlet" im Theater im Sachsenring

EIN WAHRER SOHN

am Montag, 17.10.2011

Die "Hamlet"-Inszenierung, derzeit im "Theater am Sachsenring" zu sehen, ist ein Spiel mit Bühnenelementen: (...) Durch Scharniere verbundene Rahmen werden umfunktioniert, sobald der Schauspieler durch sie hindurch schreitet - in eine andere Szene und einen anderen Zustand hinein. In die Zerrissenheit, Gewissenhaftigkeit, in den Wahn, Zweifel, in die Erkenntnis, Liebe, den Hass, den Verrat, in den Mord und das Nicht-Sein.

Ein Rahmen als Spiegel, zwei Rahmen als Buch, drei Rahmen als Grab. Für das elterliche Gemach – alle Rahmen als Stern. Alle Rahmen als Burgmauern, alle Rahmen als Wände, durch die man hindurchgeht oder sich dahinter versteckt. Die Rahmen als Gassen, als Fugen und als Entourage für Hamlets Welt.

In der Tragödie – tränenreich und auf charmante Weise verspielt inszeniert, wird heiter gemenschelt, gemein geäfft und drollig getollt. Der Humor erst macht das Elend und den Kampf des Protagonisten mit seinen Zeitgenossen für die Zuschauer erträglich.

Es gibt die beiden Totengräber als hirnlose piepsige Ratte (Signe Zurmühle) und derben Alkoholiker (Katja Gorst). Die Schauspieltruppe Hamlets (David N. Koch - er selbst als Montagsmaler, die anderen als sehr unterhaltsames Schaf und hemmungslose Sänger), in wahrhaftig mittelalterlicher Manier gegeben. Die Hofleute Güldenstern und Rosenkranz: verräterische, hinterhältig blasierte Erotik-Eidechsen. Den sich ständig selbst reglementierenden König Claudius (Max Heller), der seine Augenklappe verloren hat und dem seine Uniform, unter der es ambivalent brodelt, fantastisch steht. Den Polonius mit witzigem Rollenwechsel (Max Heller), die Königin (Katja Gorst) als sittenlose BH-Trägerin (aufgemotzt durch royale Schulterpolster) mit einem außergewöhnlichen empathischen Vermögen, welches sich anmutig offenbart, als sie vom Ertrinken der Ophelia berichtet. Die süße, naive, gehorsame und sehr verliebte, sehr traurige und emotional starke Ophelia. Den männlichen, duelliersüchtigen und großherzigen Laertes mit verwegener Schnute (Signe Zurmühle). Den Wind. Die großartige Atmosphäre. Die Zeit. Das Herz.

Und natürlich den Hamlet, alias David N. Koch. Als Sympathieträger mit einer markanten Stimme ausgestattet und erinnerungswürdig gespielter Tollheit. Treffsicheres, handwerklich klar erkennbares Vokabular, sorgfältig gesetztes Timing und den Schalk in den Augen. Charmante und willkommene (dankbar entgegengenommene) unfreiwillige Drolligkeit. Dem Wechselbad der Wahnwitzigkeit emotional angeschlossen, direkt und verssicher. Es sind das Kind und die Spielfreude in ihm, die ihn als wahren Sohn entpuppen.

Isabel Hemming (meine-suedstadt.de)

Die Autorin lebt in Köln

HAMLET, EISKALT

"(...) Regisseur Joe Knipp hat sich ein schönes Bild für den aus der Ordnung gerückten Staat einfallen lassen: mannshohe Holzrahmen stehen, liegen oder kippen auf der Bühne - mal Halt, mal Hindernis. Aufrecht stehend bilden sie Tore und Gemächer, gestapelt werden sie zu Podesten, Särgen, Wällen. Es gibt nichts Festes und Fixes in diesem Dänemark. Und jede Figur versucht, ihre ganz eigene Ordnung herzustellen. Wunderbar die Szene, in der Ophelia ein wildes Raumkonstrukt zu errichten versucht, dass ihr Vater Polonius gleich wieder in biedere Ordnung zurückbaut.

Spielerisch bietet die Inszenierung einen spannenden Zugang zum Innenleben des desperaten Prinzen. Als Schutz gegen die Heuchelei hat Hamlet (David N. Koch) sich grenzenlosen Zynismus zugelegt. Wo alle versuchen in die Normalität zurück zu finden, könnte er nur kotzen. Koch serviert ihn als trockenen Existenzialisten. Seine Liebe zu Ophelia ist obertflächlich, sein Freund Horatio ein Weichei, seine gefühlsduseligen Ausbrüche aufgesetzt - nicht einmal Verzweifeln will dem grimassierenden Jüngling gelingen. Der Gegenpol dazu ist seine Mutter. Königin Gertrud (Katja Gorst) erscheint in Rock und BH, lebens- und liebessüchtig wirft sie sich mal dem Sohn, mal dem Gatten an den Hals und wird von der Kluft zwischen beiden schier zerfetzt. Gorst zeigt mit minimalem Aufwand berührenden Facettenreichtum, auch in anderen Rollen: Ihr volltrunkener Totengräber ist der Beweis, dass Shakespeare keine Nebenrollen geschrieben hat, sondern nur solche mit weniger Text. Max Hellers Claudius ist ein aalglatter Karrierist, als toter König aber etwas zu sehr Schlossgespenst. Signe Zurmühlen spielt Ophelia wunderbar kindlich (...).

In einigen tollen Momenten spielt das kleine Theater mit den eigenen Grenzen: Wind, Herzklopfen und andere Geräusche werden von den Spielern produziert, und wenn Hamlet Nachtwache hält, lassen die Kolleginnen seinen Mantel flattern (...)"

Robert Christott in der akt 27

HAMLET - Inszenierung: Joe Knipp; hier Probenfoto mit David Koch (Hamlet) und Max Heller (König)

Probenfoto HAMLET
David Koch und Max Heller in HAMLET

Hamlet

Hamlet im TAS
HAMLET im TAS ab 13. Oktober

Von William Shakespeare

Premiere: 13. Oktober 2011

Inszenierung: Joe Knipp

Mit Katja Gorst/ Isabella Nagy (Gertrude, Güldenstern, 1. Totengräber), Max Heller (Claudius, Polonius, Horatio), David N. Koch (Hamlet), Signe Zurmühlen (Ophelia, Laertes, Rosencrantz, 2. Totengräber)

Bühne: Hannelore Honnen, Bauten: Rolf Tellenbach, Kostüme: Hannelore Honnen und Nevcan Karagöz, Assistenz: Jennifer Silke

Hamlet kehrt zurück und schaut in einen Abgrund, der ihn verändern wird. Er geht durch Rahmen, Türen, Ausgänge - die Zeit ist aus den Fugen.

Nichts ist mehr wie es war. Nichts wird mehr sein wie vordem, weder der Staat, noch sein Inneres. Kindlicher Zorn, Eifersucht. Er tritt er auf den Plan als Spielender, als Dichter, als Opfer, als Täter, als junger Mann, der Gleichgewicht sucht, Gerechtigkeit will. So nimmt er Rache. Schlicht und ergreifend. Er vermisst seine Theatertruppe, ihn langweilt die Liebe, er missbraucht Freunde. Er spielt und lässt spielen - in grausamem Ernst und mit einer Unberechenbarkeit, die nur einen Plan zum bitteren Ende bringen kann: eine Bühne übersät mit Toten.

Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt: "Dänenprinz mit Spielernatur - Ohne Scheu vor dem Über-Klassiker, eher spielerisch, aber dennoch respektvoll inszeniert Intendant Joe Knipp hier zum ersten Mal seit Wiedereröffnung seines Hauses selbst. Dieser Hamlet ist kein Zauderer und Melancholiker, sondern ein gerissener Spieler. (...)"