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Für alle Fälle Fritz

Fritz
Rebecca Madita Hundt, David N. Koch, Mirjam Radovic und im Hintergrund Pianist Martin Erdmann

Revue von Joe Knipp und Albrecht Zummach

Songs und Szenen über Comix, tierischen Spaß, Liebe und Sex - über das ganze, wilde Leben in den 60ern.



Songs und Szenen über Comix, tierischen Spaß, Liebe und Sex - über das ganze, wilde Leben in den 60ern.

Hier ergänzen sich rasante, komödiantische Szenen mit den hinreißenden Liedern von Knipp/ Zummach. Eine urkomische Revue gesungen und gespielt von Martin Erdmann (Klavier), Azizè Flittner, Rebecca Madita Hundt, David Koch und Mirjam Radovic.

Foto: Radovic, Koch/ unten: Azizè Flittner, David Koch (zu vergrößern auf 300 dpi)

"der helle Wahn",
"total abgefahren", "geniale Verrücktheit", "ein lebendig gewordener Comic", "bunt", "toll gespielt", "es gibt so viel zu entdecken: Beatles, Satie, Wagner, Pop, Jazz, einfach wunderbar" - einige Stimmen aus dem Publikum.

vergrößern auf 300 dpi: FRITZ (David Koch, Azizè Flittner)

Die fantastischen Abenteuer des Robert Kramp. Die Geschichte:

Kramp taucht auf, wird in die Mangel genommen, flippt aus und zeichnet sich die Wut vom Leib.

Fritz, sein Schwein, seine Kreatur, seine Comic-Figur, taucht auf und fährt nachhause zu seiner Ma.

Wir hören Lieder aus der Ferne. Zwei Frauen tauchen auf. Frau Strauß vermisst ihr Schwein und beklagt die gute, alte Zeit.

 

vergrößern auf 300 dpi: FRITZ (Radovic, Koch, Flittner)Fritz spaziert ins Armenviertel, trifft Hermann, das Schaf und Charlene, die Liebeskummer hat, hält eine spontane Protest-Rede, provoziert die Polizeihunde, sieht Hermann, seinen neuen Freund sterben, flieht zu Frau Strauß, schaut fern, wird ins Bild gesogen, in die Mangel genommen und wieder ausgespuckt, hat keine Lust und findet sein Ende.

Kramp taucht auf, erregt sich über Kulturbosse und Popcorn-Kino, wird in die Mangel genommen, ist frustriert und wird schließlich von seiner Frau genötigt weg zu ziehen. „Komm mir nicht mit ‚Lang wie breit’, I’m not here to be polite!“ Das ist schon alles.


choices:

"Das Leben ragt wie feuchter Dreck und Gott wischt nass darüber weg.

Zusammen mit dem Komponisten Albrecht Zummach greift Sachsenring-Chef Joe Knipp mit seiner neuen „Drei-Schweine-Oper“ mit Lust nach den Themen Sex und Gewalt, und seziert, wie diese in den Medien und der Musikwelt aufbereitet werden. Wie immer kann sich Knipp bei diesem tollkühnen Theaterabend über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens auf ein hervorragendes Ensemble verlassen. Neben Martin Erdmann am Klavier agieren Rebecca Madita Hundt, David Koch und Mirjam Radovic."

Ein Erlebnis.

Am Klavier: Martin Erdmann. Es singen und spielen: Azizè Flittner, David Koch und Mirjam Radovic.

"Für alle Fälle Fritz"

ist eine Revue in Bildern, Musik, Szenen und Songs über ein Leben mit Bildern, Musik, Szenen und Songs, geschrieben von Joe Knipp, komponiert von Albrecht Zummach, die seit 25 Jahren in verschiedenen Produktionen gemeinsam tätig sind. Zummach ist Komponist der neuen Musik (Alte Welt, Alte Lieder, Alte Rechnungen), Joe Knipp ist Regisseur (Crash, echt brecht, Das Fest, verwanzt, Mann ist Mann, Lieblingsmenschen). Als Texter und Komponist stehen sie für die Programme der Gruppe ZINNOBER (Liedmusik, Nord-Süd-Fahrt, Verwüstete Herzen, Unsterblich krank, Wer die Kunst nicht liebt, kann ja immer noch das Fernsehen einschalten, Schnee von Gestern).

Für die "Poesie der leisen Töne, die CD „Schnee von Gestern“ erhielten sie den Preis der deutschen Schallplattenkritik II/99
Für ihr gemeinsames Schaffen den Kulturpreis der Stadt Neuwied 2000.Joe Knipp und Albrecht Zummach

Bühnenfotos: Wolfgang Weimer
rechts: Joe Knipp und Albrecht Zummach in Bayreuth (Foto:
Rehbock)

Zeichnung: Joe Knipp


Die Stifte sind gespitzt,

die Tinte kann vergossen werden, der Vorhang öffnet sich.

Hier der Vorbericht in der
Kölnischen Rundschau:

 "Schräges Schwein"


Ein Schweinfür alle Lebenslagen 
 "Für alle Fälle Fritz": Schräge Theateroper im Theater am Sachsenring

Wüstling mit romantischer Ader: Robert Kramp (David Koch) bricht die Herzen der wildesten Frauen. (Foto: Weimer)

von Barbro Schuchardt

Fritz ist ein Schwein. Ein sexbesessenes, chauvinistisches, brutales, drogensüchtiges Schwein. Obwohl er eigentlich ein Kater ist. Sein Erfinder, US-Zeichner Robert Crumb, mischte mit dieser anarchistischen Figur (eine Satire auf das College-Leben) vor 40 Jahren die Disney-geprägte Comic-Szene auf. Crumb hat immer bestritten, dass Fritz die Inkarnation eigener Wunschträume sei. Doch lassen sich Persönlichkeit und Werk so genau trennen?

Um diese Frage geht es Joe Knipp (Text) und Albrecht Zummach (Komposition) bei ihrer schrägen Collage "Für alle Fälle Fritz", die im Theater am Sachsenring Uraufführung hatte. Sie verbanden Elemente aus dem Leben des echten Robert Crumb (im Stück Robert Kramp) mit den chaotischen Possen von Fritz, dem bei Knipp zum Schwein mutierten Kater. David Koch mit Max-und-Moritz-Tolle behauptet sich als Wüstling mit romantischer Seele zwischen zwei ebenso springlebendigen und temperamentvollen Frauen, Mirjam Radovic als Fritz' Schweineschwester und Rebecca Madita Hundt (als Freund Hermann und Frau Strauß, die nach Crumbs Willen Fritz mit einem Eispickel erschlagen sollte). Martin Erdmann bringt am Klavier Zummachs zitatengespickte, mitunter an Kurt Weill erinnernde Partitur zum Klingen und bietet den drei Darstellern sicheres Geleit bei den Songs.

Dieser Theater gewordene Comic ist in Wahrheit eine vertrackte, (selbst)ironische Reflektion über das Entstehen von Kunst, bei dem der sich gottähnlich fühlende Schöpfer derselben allzu leicht ein Opfer seiner Kreaturen werden kann.

Kölnische Rundschau 6.05.2008


Theater am Sachsenring

Für alle Fälle Fritz 
Revue von Joe Knipp (Text) & Albrecht Zummach (Musik)

Fritz the Cat ist eigentlich ein Comic-Kater aus den Sechziger Jahren. Sein Erfinder, Robert Crumb, schenkt ihm das Leben, um mit diesem hedonistisch-fiesen Machokater das männliche Studentenleben seiner Generation zwischen Revolte und väterlichem Erbe zu karikieren. Im Theater am Sachsenring wird Fritz zum Schwein und Star einer Musikrevue im Stil von Kurt Weill.

vergrößern auf 300 dpi Foto: wow Für alle Fälle Fritz (Knipp/ Zummach) TASJoe Knipps Texteinfälle sind bunt. Da tummeln sich Schafe und Hunde und Schweine, die wilde Geschichten erzählen. (...) mit brillianter Komik, was wiederum ihren Darstellern, allen voran Mirjam Radovic, zu danken ist.

Albrecht Zummachs Musik für diese Uraufführung eines musikalischen Theatercomics ist mal eingängig, größtenteils jedoch verwehrt sie sich mit trotziger Sperrigkeit einer allzu leichten Verköstigung. Genauso wie der aufsässige Fritz und sein Schöpfer Crumb, der im Stück als Herr Kramp auch zu Wort kommt: "I'm not here to be polite!" ist seine Botschaft und so kommt auch das gesamte Stück daher: schnell, frech, witzig, melancholisch - alles auf einmal. Ein interessanter Theaterabend mit dynamischen, jungen Darstellern.

(Rheinkultur, Juli 2008)

 



Texte:

 

Der Traum

Das Leben ragt wie feuchter Dreck
Und Gott wischt nass darüber weg.

Wischwasch, wasch wisch

Das träum ich wieder Nacht für Nacht
Und wach dann auf ganz aufgebracht.

Nachtwach macht Krach

Ich zeichne dann aus Tintenschaum
Das Schwarz auf Weiß aus diesem Traum.

Kritzkratz, kratz kritz.Kramp

 

Der Kramp

Zwischen Waden, runden Titten
Sitzt das Weltkind in der Mitten.
Klettert schimpfend in die Ritze
Und reißt böse, dumme Witze.

Redet auch vom Überwintern,
Zwischen weißen, prallen Hintern.
Rutscht dann abwärts mit Getöse.
Landet hart, das macht ihn böse.





"Seltsam: Ein Siebenmeter wird mit der Hand geworfen, aber ein Handelfmeter mit dem Fuß getreten..."

Azizè Flittner, Martin Erdmann