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SZENEN EINER EHE von Ingmar Bergman - ein "begeisternder Schauspieler-Abend im TAS"

Szenen einer Ehe
Szenen einer Ehe

Inszenierung: Joe Knipp

Mit Aurélie Thépaut und Richard Hucke

Bühne: Hannelore Honnen und Wolfgang Wehlau; Assistenz: Marie-Kristin Berndt

Premiere: 14. Juni 2012

Dieses klassische Stück über ein Ehepaar am Scheideweg, hat nichts von seiner Brisanz verloren. Ein genaues Psychogramm, das schon in den 70er Jahren das Publikum als Fernsehspiel elektrisierte. Ein Stück in der Tradition von Ibsen, Albee, Vinterberg.

"Ein Werk von magnetischer Kraft, ungeheurer Intelligenz und bedrückender Melancholie, die von Blitzen erotischer Ekstase durchbrochen wird." Time Magazine

Johan und Marianne sind seit zehn Jahren verheiratet und sie scheinen wie ein vorbildliches Ehepaar. Wie aus heiterem Himmel zerbricht die vordergründige Harmonie: Johan verlässt seine Frau und gesteht ihr ein Verhältnis. Ein erneuter Annäherungsversuch ein halbes Jahr später scheitert. Gespräche enden ergebnislos, weil beide nicht mehr dieselbe Sprache sprechen.

Kölnische Rundschau: "Nie richtig geliebt, nie richtig getrennt

Szenen einer Ehe
Kritik Kölnische Rundschau

Joe Knipp vom Theater am Sachsenring hat sich nun des Filmklassikers "Szenen einer Ehe" von Ingmar Bergman angenommen und als Zwei-Personen-Stück inszeniert. Eine Herausforderung war schon die Eindampfung der ursprünglich 300-minütigen TV-Serie aus dem Jahre 1973 - (...) auf knappe zwei Stunden.

Schon das elegant-funktionale Bühnenbild von Hannelore Honnen - mit ein paar Stühlen, einem Tisch und einem wandelbaren, rechteckigen, schwarzen Kasten - spiegelt kongenial die Beziehungs-Versuchsanordnung wieder, die Aurélie Thépaut und Richard Hucke mit Leben füllen.

(...) Thépaut und Hucke gehen in ihrem charismatischen Spiel voll in diesem Paar auf, das verzweifelt erkennen muss, dass es sich nie richtig hat lieben, aber auch nicht richtig voneinander trennen konnte. Ihre Begegnungen sind voller Schmerz, ein Schmerz, den beide erspüren lassen. Aurélie Thépaut in einer berührenden Mischung aus Koketterie und Verzweiflung, Richard Hucke mit der traumatischen Gewissheit, ein seelischer Analphabet zu sein.

Die beiden, von Joe Knipp präzis geführten Schauspieler verstehen es aber auch, die leisen, ironischen Untertöne des Stücks zum schwingen zu bringen. Wieder einmal ein "Schauspieler-Abend" im TAS, der ein begeistertes Publikum zurücklässt.

Kulturmagazin Choices: "Beziehung in Beige"

Aurélie Thépaut und Richard Hucke

Bergmans „Szenen einer Ehe“ am Sachsenring

(...) Erzählt werden Stationen in der zweiten Hälfte des zwangzigjährigen Zusammenlebens der Anwältin Marianne und des Naturwissenschaftlers Johan. Eine scheinbar mustergültige Ehe des gehobenen Mittelstands, die zwei Töchter hervorbrachte, hinter deren glücklicher Fassade aber eine Mischung aus Enttäuschungen, Verletzungen und Betrug brodelt. Intendant Joe Knipp zurrt die kritische Analyse der kleinsten bürgerlichen Institution zusammen auf rund eindreiviertel Stunden und arbeitet in seiner Inszenierung ein dichtes Kammerspiel heraus, das den Vergleich mit dem preisgekrönten Werk des filmischen Seelenforschers (Ingmar Bergman) nicht scheuen muss.

Direkt und schnörkellos à la Bergman ist auch die Bühne eingerichtet. Zwei Stühle, ein Tisch und ein wandelbarer Kasten lenken das Auge nicht ab von den Schauspielern. Gerahmt wird die Spielfläche von Stellwänden, die mit Textil in Beige bespannt sind; jenem natürlichen, warmen, aber auch unbestimmten und trüben Farbton, der symbolisch für diese Ehe stehen könnte. Gedeckt sind auch die Farben der Kostüme – zumindest bis zum zweiten Teil des Abends, wenn Marianne auflebt und sich ihre ungehemmtere Präsenz subtil in klareren Linien und offensiverem Styling ausdrückt.

Insgesamt behält Knipp die stärkere Betonung der weiblichen Perspektive bei, die auch schon die filmische Vorlage kennzeichnete. Marianne, die Hintergangene, Gedemütigte, sich aber auch Unterwerfende, bietet größeres Entwicklungspotenzial. Eindimensionale geschlechtsspezifische Schuldzuschreibungen lassen sich hier trotzdem nicht treffen, das komplizierte Verhältnis bleibt in einer spannungsreichen Ambivalenz. Das ist vor allem das Verdienst der ausgezeichneten Darsteller.

Die in Köln lebende Pariserin Aurélie Thépaut, erstmals am Theater am Sachsenring, und Richard Hucke, der hier schon als Christian in „Das Fest“ Erfolge feierte, füllen ihre Rollen mit großer Natürlichkeit aus. Er bezeichnet seinen Charakter als Schwein und Kadaver, dessen Leben vorbei sei – und genau so spielt Hucke ihn auch. Seine Partnerin fasziniert mit emotionaler Bandbreite und einer enorm beredten Mimik. Die Nöte ihrer beiden Figuren so nah – der Vorteil des kleinen Raums – mitzuerleben, ist bewegend bis beklemmend, manchmal auch witzig und stimmt nachdenklich. Ein klassischer, souveräner Theaterabend, der das Zeug zum Dauerbrenner hat.

JESSICA DÜSTER „Szenen einer Ehe“ nach dem gleichnamigen Film von Ingmar Bergmann I R: Joe Knipp I 28.-30.6./11.-13./18.-20./25.-27.10. 20 Uhr I Theater am Sachsenring I www.theater-am-sachsenring.de

http://www.choices.de/beziehung-in-beige

aus der Rezension des KStadt-Anzeigers vom 28.6.(!) 2012

Letzte Vorstellung der Spielzeit 2011/2012
Richard Hucke, Regisseur Joe Knipp und Aurélie Thépaut

Trüber Farbton alter Liebe

THEATER "Szenen einer Ehe" nach Ingmar Bergman

(...) Intendant Joe Knipp adaptiert Ingmar Bergmans Beziehungsdrama "Szenen einer Ehe" von 1973 und schafft es, die Essenz von fast sechs Stunden des schwedischen TV-Mehrteilers und der auf knapp drei Stunden reduzierten Kinofassung zu bewahren. Aurélie Thépaut und Richard Hucke spielen sich als zerrüttetes Paar die Seele aus dem Leib, ohne theatralisch zu wirken; (...) die Regie vertraut zu Recht auf minimalistische Ausstattung und textilbespannte Stellwände in Beige - jenem natürlichen, warmen, aber auch trüben Farbton, der diese Ehe symbolisiert - und den kleinen Bühnenraum, der Distanz zum Geschehen unmöglich macht.(jdü) 

Aurélie Thépaut und Richard Hucke

Szenen einer Ehe
Aurélie Thépaut und Richard Hucke in "Szenen einer Ehe"

Noch immer beklemmend

Die (...) Fassung am Sachsenring erlebt man zumindest zeitweilig fast wie eine Komödie, was durch Joe Knipps elegante, schwerelose Inszenierung und ein helles Bühnenbild (Hannelore Honnen) unterstrichen wird, welches lediglich aus zwei Stühlen, kleinem Rundtisch und schwarzem Pult besteht. Zwar offenbart der teilweise süffisante Dialog schon sehr bald kleinere Beziehungsrisse und emotionale Gefährdungen, kulminierend in der Diskussion um ein weiteres Kind. Aber alleine die mit boulevardesken Untertönen angereicherte Darstellung der Marianne durch Aurélie Thépaut (Köln-bekannt, aber erstmals am TaS) gibt der Figur sympathischen Schwung und eine Leichtigkeit, aus welcher Verzweiflung dann umso eruptiver hervorbricht. (...) Das Zerrissene, Verzweiflungsvolle, das schuldbelastete Geständnis seines (Johans) Verhältnisses zu einer Jüngeren (es geht sehr bald schief) bringt Richard Hucke (...) überzeugend zur Geltung.

Die Inszenierung des Hausherrn Joe Knipp bezwingt durch eine wechselhafte Beleuchtung der Stimmungen bei diesem Paar. (...) Die Begegnung nach 30 Jahren ist am TaS zu einer knappen Finalszene komprimiert, in welcher Marianne und Johan spüren lassen, dass trotz aller Wut, Verachtung und emanzipatorischem Behauptungswillen noch viel von einstiger Zuneigung übrig geblieben ist. (...)
Das Theater am Sachsenring feiert in diesem Jahre sein 25jähriges Bestehen.

Christoph Zimmermann in theaterpur.net