DIE STÜCKE IM TAS bis 2014

Das Theater am Sachsenring - Schaubühne Köln zeigt Schauspielertheater - in Klassikern und aktuellen Stücken

LA CHANTEUSE DE MINUIT - DIE GANZE WELT DER BARBARA

Ein Abend über die französische Chanson-Sängerin Barbara

mit Aurélie Thépaut; Regie: Joe Knipp

Barbara nannte sich selbst. La Femme Piano - und reiste am liebsten mit ihrem eigenen Flügel zu den Konzertsälen der Welt.

1964 wird sie mit ihrer Platte "Barbara singt Barbara" eine Icone des Chansons in Frankreich, nachdem sie zuvor berühmt geworden war als Interpretin von Brel, Brassens, Prévert... Die französische Schauspielerin Aurélie Thépaut erzählt und singt die berührende Geschichte dieser Musikerin.

Die Geschichte fängt an am 9. Juni 1930 in Paris am Place des Batignolles.

“Ich war ein kleines Mädchen, hatte mir eine Welt gebaut, wie viele Kinder... In dieser Welt war ich eine singende Pianistin. Ich schlug die Tische und sang dabei Melodien, die ich pausenlos miaute und bellte. Meine Hände bewegten sich über eine imaginäre Klaviatur... und stundenlang war ich die berühmteste Pianistin der ganzen Welt. - Komm den Tisch decken! - Die Noten, schwarz und weiß, fliegen und wirbeln herum und fliegen aus dem Fenster hinaus bis zu den Wolken, über den Himmel, ins Meer hinunter, herab, wie eine Regenkaskade ganz tief hinein in den Ozean... Wie soll ich da den Tisch decken!”

Uraufführung: 6. November 2014

HEDDA GABLER

Katja Gorst als Hedda Gabler; Felix von Frantzius als Tesman, Till Klein als Lövborg

von Henrik Ibsen

Inszenierung: Joe Knipp; Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen; Dramaturgie: Dr. Sabine Dissel; mit Katja Gorst, Felix von Frantzius, Jennifer Tilesi-Silke, Till Klein, Tobias Teschner.

Hedda, eine lebenssüchtige, unberechenbare, 'verrückte' Frau, ist in die Ehe geflüchtet. Sie denkt an ein materiell gesichertes – ein gutes Leben. Ihr ungeliebter Ehemann Tesman hat während ihrer Hochzeitsreise hauptsächlich an einem kulturwissenschaftlichen Buch gearbeitet und erhofft sich dadurch eine Professorenstelle. Hedda, die, zu Tode gelangweilt, aus Zeitvertreib mit Pistolen ins 'Blaue' schießt, erfährt von der Ankunft Løvborgs, ihrer letzten intensiven Liebesbeziehung. Løvborg, ebenfalls Kulturwissenschaftler, hat sich nach Alkoholexzessen aufs Land zurückgezogen und dort mit Hilfe der verheirateten Thea Elvsted nicht nur ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben, sondern auch eine in die Zukunft gedachte Fortsetzung. Schon durch die Veröffentlichung könnte Løvborg für Tesman ein beruflicher Konkurrent werden. Thea, Schulfreundin von Hedda, hat ihren wesentlich älteren Mann verlassen und ist Ejlert Løvborg nachgereist. Sie kommt auf Besuch zu Hedda. Nun sieht diese ihre Stunde gekommen: „Ich möchte ein einziges Mal in meinem Leben die Herrschaft haben über ein Menschenschicksal“. So spielt sie ein letztes, tödliches Spiel.

Foto: Barbara Siewer

SATISFAKTION II - LUSTSCHIFFER - Ein Spiel über Liebe, Sex und die Lust an der Kunst

Frauenrausch
SATISFAKTION II - von Hannelore Honnen mit Jan-Arwed Maul und Signe Zurmühlen

SATISFAKTION II

LustSchiffer - oder was Sie schon immer über Kunst wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten

Andreas Kohl schreibt in namkoartist und Huffington Post über 'LustSchiffer': "die hinreißend agierenden Schauspieler Jan-Arwed Maul und Signe Zurmühlen (...) schaffen es, eine höchst komplexe Bühne und einen auf vielen Ebenen miteinander verwobenen Text, ein kunstvoll arrangiertes Licht-Kostüm- und Requisitenkunstwerk darstellerisch so zu treffen, wie es wohl so insgesamt als Gesamtkunstwerk auf Kölner Off-Bühnen gegenwärtig seinesgleichen sucht".

Die Kölnische Rundschau schreibt: "Die Dramatikerin Hannelore Honnen hat aus den Texten des Urvaters der Moderne (...) eine spannende, zwischen Ironie und Absurdität angesiedelte Collage zusammengestellt, die Joe Knipp, einer der besten Schauspieler-Regisseure der Kölner Theater-Szene, nun mit den beiden Darstellern zu einer Melodie geformt hat, der zuzuhören ein wahrhaft intellektuelles Vergnügen ist."

"Das könnte ich auch, einfach eine Fläche blau anmalen, oder ein schwarzes Quadrat drauf malen..." Ja, die vermutete eigene Impotenz und Minderwertigkeit (wenn ich das könnte, kann das doch keine Kunst sein) spielte auch schon bei Woody Allens Film "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten..." eine entscheidende Rolle.

Ein Spiel zwischen Kunst und Sex, Potenz und Impotenz, Preis und Wert. Es geht in diesem Episodentheater nicht nur um Marcel Duchamp (1887-1968), den Urvater der Moderne, aber er ist der LustSchiffer, unterwegs auf dem Atlantik, um von Frankreich, seinem Heimatland, nach Amerika, der Heimat seiner Sammler, zu fahren. Immer wieder ist er auf diesen Schiffspassagen unterwegs, zum ersten Mal 1915, selten in Ruhe und wenn, dann schachspielend an Deck in Begleitung einer schönen, jungen, natürlich nackten Frau.

Nicht nur Marcel Duchamp wird in "LustSchiffer" zu Wort kommen, es treten auch drei Künstlerinnen auf: Meret Oppenheim, Louise Bourgeois und zwischendurch schießt Niki de St Phalle nicht auf den Pianisten, sondern auf ihre eigenen Bilder. Alle schon tot, versammeln sie sich auf einer kleinen Guckkastenbühne in der Kölner Südstadt - SATISFAKTION Teil II.

Wie lässt Duchamp in seinen Grabstein meißeln: D'AILLEURS:::C'EST TOUJOURS LES AUTRES QUI MEURENT

Natürlich in Antiqua - mit Serifen!

wieder im März 2015

PEER GYNT - von Henrik Ibsen - deutsch von Christian Morgenstern - Theaterfassung und Inszenierung: Joe Knipp

Peer Gynt
Peer Gynt - Premiere: 26. September 2013

mit Richard Hucke, Jennifer Tilesi Silke, Signe Zurmühlen

Wer ist Peer Gynt? Ein junger Mann, der nicht weiß wohin mit seiner Kraft, seinem Übermut… Nur seine Mutter liebt ihn unerschrocken und - ohne Einschränkung. Wir sehen eine Geschichte über das Krafthaben und Älterwerden - mit Peer, Solveig und den Trollen, dem Untergrund, dem Unsichtbaren. Hüpft da nicht der Hase aus Alice im Wunderland über die Szene? Ein wunderbares Stück Abenteuer.

Die Rundschau schreibt: "Peer Gynt fängt - unsichtbare - Fliegen. Sind es die Flausen in seinem Kopf, der die fantastischsten Lügengeschichten gebiert? ... Joe Knipp... fächert einen fantastischen Bilderbogen mit rasant wechselnden Szenen auf... zwei Stunden pralles, sinnliches Theater..."(KRundschau)

Alle Stücke - Die Geschichte des Theaters am Sachsenring (seit 1986)

2012

Szenen einer Ehe

Von Ingmar Bergman
Inszenierung: Joe Knipp
Mit Aurélie Thépaut und Richard Hucke
Bühne: Hannelore Honnen und Wolfgang Wehlau

Dieses klassische Stück über ein Ehepaar am Scheideweg, hat nichts von seiner Brisanz verloren. Ein genaues Psychogramm, das schon in den 70er Jahren das Publikum als Fernsehspiel elektrisierte. Ein Stück in der Tradition von Ibsen, Albee, Vinterberg.

Szenen einer Ehe

"Ein Werk von magnetischer Kraft, ungeheurer Intelligenz und bedrückender Melancholie, die von Blitzen erotischer Ekstase durchbrochen wird." Time Magazine

Gibt's ein Leben über 40?

Inszenierung: Joe Knipp
mit Felix von FrantziusDavid N. KochSigne Zurmühlen
Konstruktion von Rüdiger, dem Frosch und Assistenz: Vanessa Weiershausen
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen

Kölnische Rundschau: 4 Sterne

Gibt's ein Leben über 40?

Das erste Stück des Kabarettisten Thomas Reis - eine Komödie über den heiteren Wahn einer Geburtstagsfeier - diese Uraufführung im Theater am Sachsenring wurde zu einem großen Erfolg.

30? Fast erwachsen. 40? Eine Katastrophe. 50? In diesem Alter war ein anständiger Mensch früher tot. Die Frage "Gibt's ein Leben über 40?" stellte der Kabarettist Thomas Reis schon 2003 aus gegebenem Anlass mit seinem gleichnamigen Erfolgsprogramm. Wie putzmunter man auch jenseits dieser Deadline noch sein kann, beweist er mit seiner Theaterversion seines Solos, die jetzt im Theater am Sachsenring ihre Uraufführung erlebte.

Unter der Regie von Joe Knipp entstand mit drei formidablen Schauspielern ein spritziges Dialogstück, bei dem sich die Pointen nur so überschlagen.

2011

November 2011: SATISFAKTION - Spengler/Walser/Benjamin

Stück von Hannelore Honnen
Inszenierung: Joe Knipp - Uraufführung - Nominiert für den Kölner Theaterpreis
Mit Mirjam Radovic, Celina Rongen und Signe Zurmühlen

Spengler/ Walser/ Benjamin

 

Oktober 2011: HAMLET

von William Shakespeare
Inszenierung: Joe Knipp
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen
Mit Katja Gorst, Max Heller, David N. Koch, Signe Zurmühlen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

16.08.2011: TRAUMFRAU, VERZWEIFELT GESUCHT von Tony Dunham Inszenierung: Joe Knipp

Mit Celina Rongen und Harald Hauber/ seit Dezember: Tony Dunham

2009

08.10.2009 GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos
Mit Katja Gorst, Rebecca Madita Hundt, David N. Koch
Textfassung und Inszenierung: Joe Knipp
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen

2008

22.02.2008 LIEBLINGSMENSCHEN von Laura de Weck
Mit Inka Bretschneider, Katja Gorst, Rebecca Madita Hundt, David Koch, Daniel Mutlu
Inszenierung: Joe Knipp
Daniel Mutlu, David Koch

02.05.2008 Uraufführung: FÜR ALLE FÄLLE FRITZ von Joe Knipp und Albrecht Zummach
mit Rebecca Madita Hundt, David Koch, Mirjam Radovic
Musikalische Leitung und am Klavier: Martin Erdmann
Inszenierung: Joe Knipp
David Koch, Rebecca Madita Hundt

03.12.2008 Uraufführung: KAFKAS WELTEN von Franz Kafka
Idee und Textzusammenstellung Joe Knipp
mit David Koch
Inszenierung: Joe Knipp, Bühne: Hannelore Honnen und Wolfgang Wehlau
Kostüm: Hannelore Honnen

2007

23.08.2007 ENDLICH SCHLUSS von Peter Turrini
Mit Hans-Peter Deppe
Inszenierung: Joe Knipp
Bühne und Licht: Hannelore Honnen und Wolfgang Wehlau

15.11.2007 LIEBE SEX UND THERAPIE von Tony Dunham
Mit Katharina Jarzebowski, Svenja Klein und David Koch
Inszenierung: Joe Knipp
Svenja Klein, Katharina Jarzebowski

2006

12.10.2006 MANN IST MANN Lustspiel von Bertolt Brecht
mit Marietta Bürger, Kerstin Kramer, Hans-Peter Deppe, Gracias Devaraj, Richard Hucke, Frank Meyer
Inszenierung: Joe Knipp
Richard Hucke

2005

06.04.2005 Neubesetzung/WA - WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? von Edward Albee, mit Stefanie Mühle, Christian Ingomar und Kerstin Kramer, Simon Cox
Inszenierung Joe Knipp

10.09.2005 Deutschsprachige Erstaufführung: VERWANZT von Tracy Letts
Mit Simon Cox, Christian Ingomar, Maike Kühl, Silke Natho
Inszenierung: Joe Knipp
Christian Ingomar, Silke Natho

2004

28.5.2004 WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? von Edward Albee, mit Stefanie Mühle, Anne Simmering, Simon Cox und Martin Zuhr
Inszenierung Joe Knipp
Simon Cox, Stefanie Mühle

2003

2.5.2003 DAS FEST nach dem Dogma-Film von Vinterberg/Rukov
Textbearbeitung: Joe Knipp; Bühne: Hannelore Honnen/Wolfgang Wehlau
Mit Ozan Akhan, Beate Bohr, Marietta Bürger, Hans-Rolf Fuchs, Walter Gontermann, Hans Holzbecher, Richard Hucke, Sibylle Kuhne, Frank Meyer, Stefanie Mühle, Anne Simmering
Inszenierung Joe Knipp
Hans-Rolf Fuchs

Teilnahme am Theaterfestival Villach (Österreich), Schlussvorstellungen im Schauspiel Köln (Schlosserei).

6.12.2003 DAS FEST erhält den Kölner Theaterpreis

2002

14.10.2002 DIE ERMITTLUNG von Peter Weiss, Spenden-Projekt mit weit über zwanzig Kölner SchauspielerInnen und Comedy Stars gegen das Vergessen - Regie Hans Kieseier

Zehn Vorstellungen im Hörsaal XXV der Uni Köln erbringen ein Spendenergebnis von € 10.000,00
Insges. 14 Vorstellungen 2002 und 2003

2001

8.11.2001 Uraufführung: echt brecht von Tony Dunham
Mit Dirk Schneider als BB, Constance Craemer und Marietta Bürger, Inszenierung Joe Knipp
über 60 Vorstellungen im Plenarsaal des OLG am Reichensperger Platz     2000      

23.03.00 Uraufführung: CRASH von Hannelore Honnen
Mit Marietta Bürger und Charlotte Collins, Inszenierung: Joe Knipp - Schauspiel
Marietta Bürger, Charlotte Collins

2000

05.05.00 Prem.: ALSO HABE ICH JETZT ZWEI HERZEN
Margaux
und die Banditen
"Ganz in der Tradition des klassischen Chansonvortrags bewegt sich der Abend, den die in Polen geborene, in Köln lebende Sängerin und Schauspielerin Margaux Kier nun im Theater am Sachsenring (unter der Regie von Joe Knipp) herausgebracht hat...
Unter dem Titel "Also habe ich jetzt zwei Herzen" hat sie polnische und deutsche "Klassiker" des Chansons ausgewählt und gruppiert: Brecht und Mlynarski, Osiecka und Tucholski, Peer Raben und Konieczny, Weill und Mikula. Und neue Chansons von der Autorin und Komponistin Inessa Barszczewska; Erzählungen vom Stillestehen der Zeit, vom sehnsüchtigen Blick zurück ("Tomasz—w") und von den Metamorphosen des Lebens, symbolisiert in Eis und Wasser, Dampf und Regen.
Margaux

1999

21.01.99 Prem. RICHARD WAGNERS LETZTE LIEBE von Bernd Schünemann mit Heinrich Pachl und Marietta Bürger- Schauspiel

03.03.99 UA BAHNHOF REMSCHEID / Coproduktion mit THEATRE IMPOSSIBLE / Leopold von Verschuer - Brutkom

14.04.99 UA STUMM! / Tony Dunham, Bearbeitung und Inszenierung: Joe Knipp - Schauspiel

18.04.99 UA ...und die Wolga BRANNTE / in Zusammenarbeit mit dem Partnerschaftsverein Köln/Wolgograd, mit Marietta Bürger und Frank Meyer, Bearbeitung: Joe Knipp - Lesung 

08.09.99 UA 3 Minuten am Tag / Ulla Berlin - Schauspiel

13.09.99 UA What's The Mata HARI? / Tony Dunham (in engl. Sprache) - Schauspiel

1998

07.01.98 Prem. Lorca Zigeunerromanzen / mit Hilde Harvan und José Bardesio Regie: Joe Knipp - inszenierte Lesung

19.03.98 UA ZINNOBER - Schnee von gestern / Zinnober: Joe Knipp, Albrecht Zummach, Clemens Dreyer - Konzert
Das Come-Back-Programm in Originalbesetzung nach 12 Jahren Pause.
Preis der deutschen Schallplattenkritik II/99 für die CD "Schnee von gestern".
Clemens Dreyer, Joe Knipp, Albrecht Zummach

02.03.98 Prem. "F" / Tony Dunham (engl.Sprache)

01.04.98 UA Ein Schwein wird Metzger / Thomas Reis, Regie: Joe Knipp - Kabarett

03.10.98 Prem. Marathon / Tony Dunham (in deutsch) - Schauspiel

1997

24.02.97 Prem. HEARTLAND / Tony Dunham (engl. Sprache) - Schauspiel

25.02.97 Prem. NAME: ROSE AUSLÄNDER / Gisela Nohl, Bernd Rieser - Schauspiel

25.03.97 Prem. GRÜN WIE ICH DICH LIEBE, GRÜN / Federico Garcia Lorca mit Hilde Harvan

02.04.97 UA CLOUDBUSTER - Die Funktion des Orgasmus / Tony Dunham, Regie: Joe Knipp - Schauspiel

07.05.97 Prem. LOVE LETTERS / A.R.Gurney, mit Marietta Bürger und Frank Meyer - Schauspiel

10.09.97 Prem. Aus dem Dunkel der GROßSTADT / Hannelore Honnen nach F.M.Dostojewski - Schauspiel
Hilde Harvan, Frank Meyer

01.10.97 Prem. Es kam einmal ein Mann zu einer Frau / Semjon Slotnikow, Regie: Joe Knipp - Schauspiel
Frank Zollner, Corinne Walter

06.09.97 DEA Wunderbare Sexy Welt des Theaters / Tony Dunham - Schauspiel

07.10.97 UA Great Expectations / Tony Dunham (engl.Sprache) - Schauspiel

03.11.97 Prem. MARATHON / Tony Dunham (engl.Sprache) - Schauspiel

1996

17.01.96 UA PETER VOLLMER'S DOKTORSPIELE / Peter Vollmer, Regie: Joe Knipp

29.01.96 Prem. PHIL NOIR / Tony Dunham (deutsche Fassung) - Schauspiel
mit Susanne Pätzold, Gereon Nußbaum
 

06.03.96 UA BLUE BOY / Hannelore Honnen, Regie: Joe Knipp - Schauspiel
Mit Maria Faust, Illa Korp, Gereon Nußbaum

10.04.96 UA REIS LAST MINUTE / Thomas Reis, Regie: Joe Knipp - Kabarett

01.05.96 Prem. MESS / Tony Dunham (engl. Sprache)

08.05.96 UA MUTTERKREUZ / Daniel Werner mit Elisabeth Scherer - Schauspiel

16.09.96 Prem. THE WONDERFUL, WONDERFUL SEXY WORLD OF THEATRE / Tony Dunham (engl. Sprache)

05.10.96 VERZEIHEN SIE, ICH BIN EINE STRICKNADEL Hermann Harry Schmitz mit Frank Meyer - Schauspiel
Frank Meyer

08.10.96 UA DIE ROSE, DIE ICH NICHT SINGE / Sabrina Ascacibar / Coco Nelegatti

12.11.96 UA LACHMATT / Corinne Walter, Frank Zollner - Kabarett

1995

18.01.95 UA BITTE EINSTEIGEN / Achim Konejung, Reinhard Glöder - Kabarett

30.01.95 Prem. MEIN KAMPF / Adolf Hitler, Manfred O.Tauchen - Lesung
Noch bevor mancher Kabarettist behauptete, als erster... Manfred O. Tauchen, Texter, Schauspieler, Musiker, Kabarettist, Österreicher nahm den Text und ernst und las ihn und diskutierte mit dem Publikum. Ein erster, harter, guter Versuch ohne mediale Verschlammung.

10.03.95 Prem. ICH BIN NICHT IHRE LUISE / Jürg Amann
Szenische Lesung mit Bettina Marugg

18.03.95 FRAUEN FALLEN AUS DEM FENSTER / Daniil Charms mit Frank Meyer und Albrecht Zummach

05.04.95 UA SCHAU DER TAUCHEN! / Manfred O. Tauchen - Kabarett

19.05.95 UA BAD MANNERS / Tony Dunham (engl. Sprache) - Schauspiel

09.10.95 Prem. KLEIN-ALBERT / Schauspiel von Jean-Marie Frin
Inszenierung: Franziska Grasshoff

13.12.95 UA DIE WEIHNACHTSMÄNNER / Thomas Reis, Andreas Kunze, Regie: Joe Knipp - Kabarett

1994

09.01.94 UA IDIOTEN - Schauspiel von Hannelore Honnen nach dem Roman "Bouvard und Pécuchet" von Gustave Flaubert
Regie: Joe Knipp
Mit Gereon Nußbaum und Thomas Biehl
erste Nominierung für den Kölner Theaterpreis.

10.03.94 UA WURSTTHEKE II / Werner Nußbaum Niederfahrenhorst - Schauspiel
Eine satirische, abgründige, aberwitzige Sensation. Eine Produktion des Ensembles Werner/Nußbaum/ Niederfahrenhorst für das Theater am Sachsenring.
Volker Niederfahrenhorst

01.07.94 DEA TRAUMFRAU VERZWEIFELT GESUCHT / Tony Dunham - Schauspiel

14.09.94 UA DER WÜSTE LEBT/Peter Vollmer, Regie: Joe Knipp - Kabarett

05.10.94 UA DER HAMMER / Thomas Reis, Regie: Joe Knipp - Kabarett-Theater
Scharf, gnadenlos, mörderisch. Die Teddys werden gehängt. Im Laufställchen wird geschlachtet. Beste Kritiken, kaum Publikum.

02.11.94 UA DIE MALERIN / Hannelore Honnen, Regie: Joe Knipp - Schauspiel
Mit Manfred O. Tauchen als Chrisofero Colombo und Nicole Kersten als "Malerin".
Manfred O. Tauchen, Nicole Kersten

09.12.94 UA DER UNGEZOGENE KORKEN / ein fantastischer Reigen von Szenen des russischen Dichters Daniil Charms - Schauspiel
Mit Anja Niederfahrenhorst, Stefanie Groß und Gereon Nußbaum.
Anja Niederfahrenhorst, Stefanie Groß

1993

06.-15.01.93 Erstes Russisches Theaterfestival in Bonn, Bochum, Aachen, Köln. Mit dem Salon Theater, St. Petersburg und dem NET, Wolgograd, ausgerichtet vom Theater am Sachsenring, Köln.

05.05.93 Prem. LEUTNANT GUSTL / Arthur Schnitzler, Regie: Joe Knipp

16.06.93 DEA SPIEL NICHT MIT MEINER MAUS / Tony Dunham, Regie: Joe Knipp - Schauspiel
Mit Irene Langemann und Lucius Woytt
Marion Minetti und Lucius Woytt
Hier in der Fassung mit Marion Minetti als 'Jane'

10.11.93 UA PASSION / Tony Dunham (engl.Sprache) - Schauspiel

1992

03.01.92 DEA JA-SAGEN / Griselda Gambaro, Regie Hiltrud Kissel - Schauspiel
Inszenierung im Rahmen eines Festivals von Stücken lateinamerikanischer Autorinnen und Autoren.

29.01.92 UA PHIL NOIR / Tony Dunham (engl. Sprache) - Schauspiel
Später als Satire auf die schwarzen Detektivfilme unter "Schnüffler, Sex und schöne Frauen" bekannt geworden. 

11.03.92 Prem. DAS KLEINE FEGEFEUER / Matthias Deutschmann

25.03.92 Prem. DER KAISER VON AMERIKA / George Bernard Shaw
Inszenierung: Gereon Nußbaum. Mit u.a.: Illa Korp, Michael Rasmussen, Dirk S. Triebel, Stefanie Groß u.a.

19.04.92 UA SIE SPRACH ZU IHM, SIE SANG ZU IHM, DA WAR'S UM IHN GESCHEH'N Melodramen mit Anja u. Volker Niederfahrenhorst, Musikalische Leitung und am Klavier: Susanne Hinkelbein
Ein hinreißender Abend zur Wiedergeburt der klassischen Melodramen als Kunstform. Preis beim Festival St. Petersburg mit dem Theater am Sachsenring.
Susanne Hinkelbein, Anja und Volker Niederfahrenhorst

02.06.92 UA ALS DIE MÄNNER NOCH SCHWÄNZE HATTEN / Thomas Reis, Regie: Joe Knipp - Kabarett
Das erste Solo-Kabarett von Thomas Reis nach der Auflösung des 'Duo Vital'. Wurde ein überwältigender Publikumserfolg.

24.06.92 Prem. GRABENKÄMPFE / Juan Radrigan, Regie Hiltrud Kissel - Schauspiel
Inszenierung im Rahmen eines Festivals von Stücken lateinamerikanischer Autorinnen und Autoren.

14.07.92 UA FLUX / Tony Dunham (engl.Sprache) - Schauspiel.
Eine der vielen Uraufführungen, die der englische Autor Tony Dunham im Theater am Sachsenring herausbringen konnte.

09.09.92 DEA LIEBE, SEX & THERAPIE / Tony Dunham - Schauspiel

10.10.92 UA ON YOUR BIKE / Tony Dunham (engl.Sprache) - Schauspiel

25.11.92 UA IM NAMEN DER HOSE/ Peter Vollmer, Regie Joe Knipp - Kabarett

1991

23.01.91 Prem. NEPAL / Urs Widmer - Schauspiel
Inszenierung: Anatoli Vanin (St. Petersburg). Mit Manfred Schwabe und Christof Hilger. Eingeladen zum ersten internationalen Theaterfestival Wolgograd.

22.03.91 Prem. DER ALLEINUNTERHALTER / Klaus D. Huber - Kabarett
Erstes Solo-Programm nach den Formationen "Matsche, Wörks und Pullrich" Huber/ Schmickler/ Müller und "Kollegium Ars Vitalis".

Foto: Bernhard Fuchs

13.04.91 UA ROSWITHA FROITZHEIM-40 JAHRE UND EIN BISSCHEN HEISER / Geschrieben und inszeniert von der Autorin und Schauspielerin Ulrike Bliefert. Die Geschichte von 40 Jahren Frauenleben in Köln. Eine nicht nur komische Revue mit Samy Orfgen

12.09.91 UA ICH, EIN TOLLES KIND / Heinrich Heine, Hannelore Honnen - Text- und Musikcollage. Eine poetische Reise durch die "Heimkehr" von Heinrich Heine. Mit Stefanie Hermann.

20./21.09.91 Internationales Theaterfestival in Wolgograd
KÖLN-WOLGOGRAD (SACHSENRING Köln zu Gast beim NET, Wolgograd) mit Schauspiel und Konzert (NEPAL, DIE WUT, DEUTSCHLANDTANGO, Festivalpreis für Inszenierung und Musik)
Wolgograd, Theaterpatz

12.12.91 Prem. SIE MÖGEN MIR DAS LÄSTERMAUL VERZEIHN / Francois Villon mit Dirk S. Triebel

1990

10.01.90 Prem. DER SPRICHT SCHMITZ / Volker Schmitz

23.03.90 DEA OUI / Gabriel Arout - Schauspiel

04.05.90 UA WELTBILDERSTURM / Duo Vital, Regie: Joe Knipp - Kabarett

05.06.90 Prem. MY SONGS / Peter Fessler

06.09.90 Prem. DEUTSCHLAND-TANGO / Texte und Gesang: Joe Knipp. Am Klavier: Stephan Schleiner. Eingeladen zum ersten internationalen Theaterfestival Wolgograd. Preisträger.

12.09.90 Prem. HIER UND CHRISTIAN MORGENSTERN ODER MORGEN OHNESTERN mit Peter Perlbach

21.09.90 Prem. DER TOD HAT UNS VERGESSEN / Erik Satie - Text- und Musikcollage

02.11.90 UA DIE WUT / F.M.Dostojewski, Hannelore Honnen - Schauspiel
Albrecht Zummach, Gereon Nußbaum

13.12.90 Prem. WORD AID / Bärbel Nolden, Volker Schmitz

1989

Mehrere Gastspiele des legendären freien Theaters
statt theater fassungslos aus Dresden, mit ihrem damaligen Programm
Das Röcheln der Mona Lisa nach Texten des Wiener Autors Ernst Jandl (1925-2000). In der Folge erarbeitete fassungslos drei Bühnenprogramme, zwei Hörspiele, eine TV-Produktion und eine CD-ROM, teilweise unter der Mitwirkung von Ernst Jandl. Von 1991 bis 1999 Zusammenarbeit mit dem Dresdner Autor Matthias Dix. Eine engere Zusammenarbeit mit dem Theater am Sachsenring scheiterte, wie so oft, an der mangelnden Bereitschaft dieses Projekt zu unterstützen.
fassungslos

24.01.89 TAGTRÄUMER / William Mastrosimone.
Inszenierung: Alexander von Janitzki. Mit Ruth Schiefenbusch und Mark Zak.

15.02.89 UA DAS DEUTSCHE REICHt / Duo Vital
Noch bevor Deutschland, Nationalismus oder Einheit ein besonderes Thema werden, kommt ein Kabarett zur Premiere, das eine Leuchtrakete wird. Danach oft kopiert. Bei uns das Original mit Thomas Reis und Peter Vollmer.

14.06.89 Prem. VIOLA / Andre Roussin
Viola, oder: Requiem für eine Rampensau (gekürzte Fassung)
Mit Joe Knipp, Peter Perlbach und Albrecht Zummach.
Joe Knipp, Albrecht Zummach

05.07.89 DEA DRECKFRESSER / Tom Cole - Schauspiel

MÄNNER VON VORNE UND VON HINTEN
Mit Klaus Vincon und Werner Koj

27.09.89 Prem. PROTEST / Vaclav Havel - Schauspiel
Wie so oft ein Zeitstück, das Brisanz hatte. Der Osten ist in Aufruhr. Vaclav Havel wird kurz nach der Premiere in der Tschechoslowakei verhaftet. Es ist nur noch ein kurzer Weg, bis zum ersten Mal ein Schriftsteller Präsident wird. 1989 GS NEUES AUS DER Da-Da-eR / Hans-Eckart Wenzel & Steffen Mensching.

Mehrere Auftritte der DDR-Clowns-Kabarettisten in Köln, BRD, TAS. Beeindruckende Vorstellungen einer unbekannten Art Kabarett zu machen. Das wilde und anarchistische Clownstheater, die Shanties, die Tänze mit Notenständer, das Leben in der DaDaeR, in Poesie und Liedern verdichtet, unvergessen! Das Publikum im Theater am Sachsenring war hingerissen. Die Presse begriff, wie so oft, etwas zu spät, was hier geschah. Erst durch die aktuellen politischen Ereignissen wachgerüttelt, reist der Kölner Stadtanzeiger nach Berlin (!) um einen Auftritt beobachten zu können und ein Interview zu drucken.

09.12.89 Prem. KEIN ORT. NIRGENDS / Christa Wolf.
Inszenierung: Anita Ferraris. Mit Dana Savic und Davor Petar.

1988

22.01.88 Prem. VERWÜSTETE HERZEN / Zinnober - Konzert

KOLLEGIUM ARS VITALIS - Muziek als Theater
Das berühmte, mehrfach preisgekrönte Ensemble des dadaistisch-musikalischen Wahnsinns spielte ursprüngtlich am Sachsenring, lange Zeit für ein Liebhaberpublikum, wie auch in der Folge in der Comedia, bis über das kleine Ensemble endlich der Erfolg hereinbrach.
Huber am Schlagzeug, Horn oder Trompete; Sacher an Gitarre, Ukulele, Banjo, Wilmanns an Saxofon, Klarinette und weiteren nicht korrekt identifizierbaren Umbau-Instrumenten. Schräge Texte, Schlager oder Volksliedchen. Keiner kommt zu kurz.

09.12.88 Prem. FRAU ARMAND TRIFFT ROSA LUXEMBURG NICHT / Hannelore Honnen nach Rosa Luxemburg und Colette - Schauspiel.
Experimentelle Theaterproduktion, noch bevor dieser Begriff totgerittenwurde. Das ZDF berichtet über die einzige Theaterproduktion über die Briefe der Rosa Luxemburg.
Mit Christa Fast.

1987

Januar Gründung des Theaters am Sachsenring

20.02.87 Prem. AUS'M HINTERHAUS KIEKEN KINDER RAUS / Claire Waldoff-Programm mit Karin Gier (Gesang) und Friederike Huck (Klavier).

06.05.87 Prem. FRAU AUF DEM DRAHTSEIL / Erika Skrotzki
Am Klavier: Jim Schar

15.05.87 Prem. CONCERTO GROSSO / Karin Gier
UA ZUCKERLOS SCHWARZ / Raymond Chandler, Joe Knipp und Stephan Schleiner - Jazz Standards

29.05.87 UA WER DIE KUNST NICHT LIEBT, KANN JA IMMER NOCH DAS FERNSEHEN EINSCHALTEN / Zinnober: Joe Knipp, Albrecht Zummach, Clemens Dreyer - Konzert

06.12.87 Prem. AM LETZTEN ZUG VORBEIGEFAHREN, ODER VERSTEHEN SIE BAHNHOF / Matsche, Wörks und Pullrich - Kabarett
Wilfried Schmickler, Klaus Huber, Wolfgang Müller.

Die erste Zeit war auch die Zeit der Clowns aus Leverkusen. Heute Spitzenkräfte der 'Mitternachtsspitzen' oder der Gruppe 'Ars Vitalis'.

1986 Zinnobers Mittwochsbühne im Theater 'Saxi'

 

Der ganz persönliche Blick:

Theater... und danach

Im Foyer des Theaters am Sachsenring

An der kleinen Bar des Theaters am Sachsenring gab es noch Gespräche. Spät am Abend. Noch später am Abend fiel mir auf, was für ein schönes, kleines Theater das ist, auch nach der Vorstellung. Mein Theater. Zwei sitzen am Tisch an der Wand, Blick nach rechts in den Spiegel an der Garderobe, Blick nach links durch den roten Vorhang in den Saal. Gläser stehen noch auf den Tischen. Hinter der Theke sitze ich. Vor der Theke stehen Menschen. Schauspieler, Besucher, wir stehen, sitzen und sprechen unter dem Eindruck einer Theatervorstellung.

Was haben wir gesehen? Haben wir gemeinsam etwas gesehen? Ja. Das Gleiche? Natürlich nicht. Was gesagt wird, was zu sehen ist, zu riechen, zu spüren - jeden Abend ist die Mischung eine andere. Jeder Zuschauer kommt aus einer anderen Welt und sieht eine andere Welt auf der Bühne.

Immerhin, wir versuchen tatsächlich eine Welt zu bauen, die anders sein soll, anders als die wahre Welt. Eine Kunst-Welt. Wir wollen in unseren Stücken Unterschiede sichtbar machen. Trauer, Liebe, Erregung, Gewalt, Komik sind auf der Bühne anders als im Supermarkt oder in der U-Bahn. Außerdem gibt es im Theater am Sachsenring diese wunderbare Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum. Trotzdem fragen die Damen, die ich in die erste Reihe führe immer, ob sie mitspielen müssen. Aber, so klein die Bühne auch ist, es bleibt die Möglichkeit, dass sich der Raum während der Vorstellung ins Unendliche dehnt, wenn das Spiel, wenn die Spielenden es zulassen. Dann berührt die Kunst-Welt die wirkliche Welt der Menschen, die im Zuschauerraum sitzen. Theater ganz nah. Das liebt unser Publikum und ich liebe das auch. Wenn die Spieler auf dieser Bühne frei schwingend miteinander spielen, aufeinander reagieren, fangen sie manchmal an zu fliegen, wie die Vögel.

Die Magie des Theaters entsteht, wenn sich Figuren auf der Bühne als lebendige Wesen zu erkennen geben, kein blasses Echo des eigenen 'Ichs', sondern Figuren mit bekannten und unbekannten Seiten. Damit das entstehen kann, versuche ich darauf zu achten, dass aus dem Spiel keine Darstellung wird, dass nicht zuviel verraten, zuviel vorgegeben wird. Ich sehe die Figur durch die Menschlichkeit der Schauspieler, die Menschlichkeit der Figuren durch die Kunst der Schauspieler. Ich will keine Filmeinspielung, um dem Publikum zu erklären, was gemeint ist, ich will keine Interpretation, sondern Wahrnehmung. Darum müssen die Schauspieler Menschen bleiben, Hauptfiguren auf der Bühne.

Bleibt das Spiel in der Schwebe, bleiben die Figuren menschlich, dann erzählen wir wahrhaftig eine neue Geschichte. Dann bewegen wir Geist und Empfindung. Manchmal sehe ich noch Errötungen in den Gesichtern der Besucher, die an der Theke vorbei unser Theater verlassen wollen und sich verabschieden. Ein großes Kompliment. Ich bin müde. Ein letztes 'Auf Wiedersehen'. Noch ein Glas an der Theke, noch ein paar Sätze im Foyer an der Theke. Durch den milden, feuchten Abend in die wirkliche Welt. Mein Knie schmerzt, meine Liebste neben mir singt und hüpft. Zuhause. Aktuelles Sportstudio. Wiederholung. Danach "Die Vögel" von Hitchcock. Ein alter Film in Pastellfarben mit fein abgestimmter Garderobe, gut sitzenden Frisuren, einer situierten Blondine im Pelzmantel und gut dressierten Vögeln, die im Film Chaos und Gewalt über eine kleine Küstenstadt bringen. Selbst Ornithologen, Wissende, die versuchen alles zu erklären, können das Unvorhergesehene nicht begreifen und nicht verhindern. Es ist nicht zu erklären was geschieht, es geschieht, die Apokalypse ist da. Die Augen sind blutige Höhlen, es bleibt ein Flug, der Vogelflug.

Theaterförderung - Endlosschleife der Vergeblichkeit

Rettet das Schauspielertheater. Hier: "Hedda Gabler" mit von Frantzius, Gorst, Klein

Nicht schon wieder! Ja, es ist eine Endlosschleife. Die Förderung von Kultur, von Theater im Besonderen, ist in allen Städten und besonders Köln seit Jahrzehnten eine Kette von klugem Gerede und Untätigkeit. Und - es ändert sich nichts.

Wie ist das mit unserem Haus? Immer wieder werden wir danach gefragt. Wir hatten einen kleinen Zuschuss bis 2005. Seitdem arbeiten wir. Im Jahr des 28jährigen Bestehens, im 10. Jahr ohne Zuschüsse, ohne Video-Beamer, ohne Cross-Over, mit anerkannt gutem Schauspielertheater (DraculaHedda Gabler, Peer GyntGibt's eine Leben über 40?, Szenen einer Ehe), das Publikum ist begeistert.

Wir versuchen uns auch im Kopf zu befreien. Kein Gedanke mehr an ausbleibende Förderung. Ich rege mich nicht mehr auf über verschüttete Milch. Wirklich nicht. Zumindest nicht mehr so wie früher. Pause. Ruhe.

2012 lese ich dummerweise den Kulturteil der FAZ Frankfurt und entdecke die Überschrift 'Aufruhr in der Theaterszene' - und glaube in eine Zeitschleife geraten zu sein. Nicht schon wieder. Die verschüttete Milch kehrt langsam in die Tüte zurück.

Die FAZ schreibt am 26.06.2012: „Freie Bühnen in Frankfurt - Aufruhr in der Theaterszene · Ein vom Kulturdezernenten beauftragtes Quartett hat der freien Frankfurter Theaterszene ein schwaches Zeugnis ausgestellt. Und damit der städtischen Praxis, Fördergelder an die vom Stadttheater unabhängigen Gruppen nach dem Gießkannenprinzip zu vergeben. Als ästhetisches Ideal, das in Frankfurt zu kurz komme, wird in dem Bericht das 'postdramatische Theater' genannt, wie es beispielsweise die Gruppe Rimini Protokoll betreibt.“

Und wieder einmal sollen Theater unter dem Bombardement der immer gleichen Begriffe, Namen und Gruppen, abgeschafft werden, um den 'Leuchttürmen' des experimentellen Theaters Platz zu machen. Wie in Köln. Jetzt fehlt nur noch der Hinweis auf 'Gessnerallee', 'Sophiensäle'. Auf 'Innovationskraft', 'internationale Anbindung' und 'Ko-Produktionen' mit – natürlich 'Sophiensäle' und 'Gessnerallee'. In Köln bekamen wir das von einem 'Beirat' schon vor 11 Jahren zu hören. Der sprach auch mit niemandem und gab eine Pressekonferenz. Die Theater mit der 'Ästhetik von gestern' sollten abgeschafft werden. Also alle Theater, die sich dem neuen Vermarktungs-Kreislauf nicht unterwerfen wollten, oder sich diesen nicht leisten konnten.

Weiter wird in der FAZ kommentiert: „Der Aufruhr in der Freien Szene lässt sich verstehen. (…) Schließlich ließen die von Kulturdezernent Felix Semmelroth beauftragten Verfasser kein gutes Haar an den Betroffenen. Heimlich, still und leise hatten die vier Fachleute Vorstellungen besucht und sich in den Abspielstätten umgesehen, mit den Akteuren aber sprach niemand. (…) Und dass das Pauschalurteil, die Freien Gruppen seien überaltert und ästhetisch von gestern, die Theatermacher nachhaltig verstört hat, muss keinen wundern.“

Alle Vorgänge, alle Begriffe sind bekannt. Alles habe ich schon einmal erlebt – 11 Jahre zuvor in Köln. Als die Kulturverwaltung einen Beirat einrichtete, um die Theaterförderung neu steuern zu können. Natürlich ging es nicht um bessere Förderung, die Mittel sollten vielmehr umverteilt und konzentriert werden. Sogenannte 'Experten' von außen, 'überregionale' Experten', begannen damals mit Begriffen auf die Wirklichkeit zu schießen. 'Experimentierfreudig', 'Spartenübergreifend' und 'Performance' flogen uns nur so um die Ohren. Jede Art von Schauspielertheater wurde diskreditiert und sollte als 'altmodisch' ausgesondert werden. Über 'Konzepte' zu reden wurde Hauptbeschäftigung. Und besonders diejenigen, die nie etwas ansehnliches auf der Bühne zustande brachten, wurden plötzlich Anhänger von Verwaltungskonzepten und 'Beiräten', sie wollten helfen, die Szene zu lüften, herablassend und unverschämt wie sie es von den neuen Marketing-Schnöseln lernten.

Weiter Frankfurt, weiter in der FAZ: „Doch das Papier schlägt nicht nur einen herablassenden bis unverschämten Ton an, es vermischt auch auf unzulässige Weise die Handlungsebenen: Die Autoren beklagen die mangelnde ästhetische Innovationskraft und internationale Anbindung von Gruppen, die dergleichen zu leisten nie im Sinn hatten und es wegen der geringen städtischen Zuschüsse auch gar nicht könnten. Von finanziell karg ausgestatteten Häusern wie dem Titania oder dem Gallustheater werden Produktionen erwartet, wie sie einzig der ordentlich subventionierte Mousonturm zu stemmen in der Lage ist. Das Künstlerhaus ist aber auch der gleichsam natürliche Ort für Gastspiele experimentierfreudiger, spartenübergreifend arbeitender Performancegruppen. (…) Der Einstand des neuen Mousonturm-Leiters Niels Ewerbeck mit dem 'Lüften'-Festival rund um die Jahrhunderthalle hat gezeigt, dass neue Formsprachen in den darstellenden Künsten gewiss auch künftig in Frankfurt eine bedeutende Rolle spielen. Allerdings: Die Besucher blieben aus. (…) Daher stellt sich auch die Frage, ob die Verschmelzung aller möglicher Kunstformen tatsächlich ein so breites Publikum anspricht, wie angenommen wurde. Und wie die Perspektivkommission sie als Maß aller Dinge beschreibt.“

Köln 2001: Die Verwaltung brauchte ein Konzept, um zu begründen, warum einige wenige alles bekommen sollten und die meisten nichts. Hauptgrund: angeblich verpasster Anschlusses an das 'innovative zeitgenössische' Theater. Was sollte aus den vielen Theatern werden, die auf vielfältige Weise nur Theater spielen wollten? Nichts. Eine Beurteilung künstlerischer Arbeit, künstlerischer Kraft fand nicht statt. Überhaupt – Schauspiel in der Zeit des Doku- und Reality-Theaters? Überholt.

Diese Unterwerfung lebendigen Theaters unter Konzept-Papier, bedeutete den Anfang vom Ende. Zwischenergebnis heute, so sagt eine Stimme im Kulturamt: Unten bricht alles weg, oben gibt es immer noch keine 'Leuchttürme'. Eine Prognose, die ich als Vorsitzender der 'Kölner Theaterkonferenz' vor 11 Jahren in einer Pressekonferenz wagte und die sich in vollem Umfang bewahrheiten sollte. Diese Erkenntnis hat sich nun, nach Jahren, deshalb herumgesprochen, weil es sonst die nicht-städtische Kultur in ihrer Vielfalt bald nicht mehr geben wird, während gleichzeitig immer mehr Geld nachfließen muss, damit sich die großen Apparate über Wasser halten können. Jetzt erst, nach den Erfahrungen der letzten Jahre, beginnt ein Umdenken in Richtung einer Grundförderung für Theater, die kontinuierlich erfolgreich in einer Stadt gearbeitet haben, jenseits allen Wortgeklingels theatertheoretischer Konzepte.

Frankfurt 2012 macht genau die Fehler wie Köln 2001. Ich kann kaum glauben, dass ausgerechnet Köln, die 'Kultur-Hauptstadt', hier zum Vorbild werden soll. Dann aber bitte Nägel mit Köpfen. Im Gegensatz zum Frankfurter Etat (5 Mio für die 'Freien'), stehen in Köln nur 2 Mio zur Verfügung. Ausweg? Kürzungen und Schließungen. Und dafür brauchen die Verwaltungen die Wohfahrtsausschüsse der 'Postdramatik'. Und die, so scheint es, gehen immer dreister vor. Es tauchen sogar die selben Namen auf. Ein gewisser Herr Wagner schrieb die ersten Förder-Kataloge, die bald von jedem Kulturamt übernommen wurden, unabhängig von den Bedingungen der jeweiligen Stadt. Und Christoph Zimmermann aus Köln ist in Frankfurt für die Kommission unerkannt unterwegs gewesen. In Köln ist er bekannt dafür, dass vor seinen kritischen Augen nichts Bestand hat, wenn die Rezeptur des Experimentellen nicht erkennbar wird. Er wird schnell jedem Theater eine 'Ästhetik von gestern' bescheinigen können, das der Überflutung von Doku- oder Recherche-Theater im Wege steht. Und da ist auch Niels Ewerbeck, der schon für den ersten 'Beirat' in Köln 2001 unterwegs war, um die Konkurrenz auszuschalten und sich mit Hilfe der Verwaltung ein 'Theaterhaus' in Köln leisten zu können. Er trat mit dem gesamten 'Beirat' zurück, nachdem ein gewaltiger Aufruhr in der Szene seine Pläne durchkreuzte. Er zog weiter. Dann eben Zürich, Gessnerallee – und nun Frankfurt.

Was erreichen die "Förderkonzepte"? Erstens, dass die Unterwerfung unter Theorie-Begriffe bedeutet, dass jede Art von Kultur, die jenseits von Regeln und Paragraphen entstanden ist, vollständig ausgeblendet werden muss, zugunsten der Gleichmacherei einer Vermarktungs- und Verwaltungs-Kultur. Und zweitens die konkrete Erfahrung, welche Trümmer übrig bleiben: Dicke Programmhefte, Performer, die ihre Schauspieler, von jeder Regie verlassen, als Dekoration herumstehen lassen, die sich an Mischpulten aufgeilen, während die Darsteller sich selbst darstellen und Textflächen in Mikrofone nuscheln. Endlosschleifen an Bewegungs-Performance, Computer-Musik, Sand, Blut und Video. Nach Fusionsplänen am grünen Tisch, um Theater-Zentren herzustellen, in denen solange 'dekonstruiert' wird, bis das keinen Theatergänger mehr interessiert - und des 'Post-Migrationstheaters', das keinen Migranten interessiert, mit der Förderung eines Theaters, das nur noch über Förderkonzepte existieren kann, ist das Geld verbraucht und die Erde verbrannt. Theater Adieu.

Noch einmal die Frankfurter FAZ, den Theaterleiter Praml zitierend: „Die Frankfurter freie Szene wende sich gegen Zentralisierung und Gleichmacherei. Wohin dies führe, könne man in den deutschen Innenstädten sehen, die sich alle glichen, öde und langweilig seien. Dies könne ja wohl nicht das Konzept für die freien Theater sein (...). Die Perspektivkommission hatte bemängelt, in Frankfurt komme das 'postdramatische Theater' zu kurz. Die Aufarbeitung von klassischen Texten wie letzthin Hölderlins kaum noch gelesenem Roman 'Hyperion' sei heute eine innovative Position, sagte Praml. Besucher kämen von weit her, um sich solche Produktionen in der Naxoshalle, der Spielstätte seines Theaters, anzuschauen."

Und die „Daedalus Company“ kritisiert auf ihrer Website: (…) Im Bericht wird drei Seiten lang festgelegt, was sich die Kommission unter freiem Theater vorstellt. Es liest sich wie eine wissenschaftliche Arbeit, verfasst aus dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen. Das ist bestimmt eine wichtige Sichtweise und Lehrmeinung, aber unserer Meinung nach nicht allgemeingültig für die ganze Vielfalt der Theaterszene einer Großstadt. Es werden zur Untermauerung der theaterwissenschaftlichen Analyse Fachleute zitiert und Künstler genannt. Ausnahmslos alle Genannten stammen oder stammten aus dem Institut von Gießen. Es haben sich die Autoren nicht um ein einziges weiteres Beispiel bemüht. Wir finden es schwierig, wenn von einer unabhängigen Kommission eine so eindimensionale Sicht auf die freien Theaterszene präsentiert wird.

Im Bericht tauchen oft Begriffe auf wie 'postdramatisch' 'Cross-Over Projekte' oder 'Doku-Theater'. Damit soll eine zeitgemäße Theaterform assoziiert werden, die Frankfurt angeblich fehlt. Autoren und Gruppen werden exemplarisch genannt, z.B. Rimini Protokoll. Diese Theaterformen sind aber nicht neu. Es gibt sie seit Jahrzehnten. Der Begriff der Postdramatik hat schon Generationen von Theaterwissenschaftlern beschäftigt und die ästhetische Abgrenzung zum 'herkömmlichen' Theater ist unserer Meinung nach heute nicht mehr relevant und längst überholt. (…) Die Produktionen der freien Szene können aber nicht allein aus Avantgarde-Performances bestehen; das wäre genauso eintönig wie die vermeintlich aktuelle Lage – die Mischung macht es aus!

(…) Die vorgeschlagene Lösung der Kommission wäre, die 'freie' Szene mit mehr Bürokratie, institutionsähnlichen Strukturen, Jurys und freiheitsraubenden Vorgaben zu regulieren – also Maßnahmen, die das 'frei-sein' der freien Szene kontrollieren und unterdrücken würden.“

Dem kann ich von hier aus nur in vollem Umfang zustimmen. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete 2001 von einer Pressekonferenz der Kölner Theaterkonferenz„Die Reaktion der Kölner Theaterkonferenz fiel gestern denkbar scharf aus. 'Wer glaubt', sagte der Vorsitzende der Theaterkonferenz Joe Knipp, 'mit einer Zehner-Liste in Köln die freien und privaten Theater fördern zu können, eine Szene von 60 Theatern, die Hunderte von Künstlern bindet, zeigt ein gewaltiges Maß an Unkenntnis oder Zynismus.

'Man wüsste gerne, so Knipp, 'welche Förderkriterien zur Absurdität einer solchen Liste' geführt haben. (…) Gerade die Vielfalt der Theaterszene sieht Knipp als besondere Qualität der Stadt. Das Argument des Kulturdezernats, man müsse von der Gießkannenförderung Abschied nehmen, hält Knipp für 'Augenwischerei': 'Eine Gießkanne hat es nie gegeben.' Schon vor dem neuen Förderungskonzept hätten wenige Theater den Löwenanteil an Zuschüssen bekommen. 'Die Beiratsmitglieder', meinte Knipp, 'treten wie Jungmanager auf, die - ohne einen Betrieb von innen zu kennen - die Schließung von Filialen ankündigen.' Einige der Beiratsmitglieder wären noch in keinem Kölner Theater zu sehen gewesen. Zudem kritisierte Knipp die Auswahlkriterien, nach denen der Beirat zusammen gestellt wurde."

Am 18. Februar 2004 erscheint in der taz ein Kommentar zur Bewerbung Kölns als Kulturhauptstadt Europas, in dem ästhetische Neuorientierung zum Thema wird, sehr zum Ärger der Experimental-Neurotiker, die mit der Kultur-Verwaltung im Rücken eine Diskussion am liebsten unterbinden wollen:

"Das Spiel als Idee, das Spielerische als Methode. Der Sinn: mündige Bürger in einer mündigen Stadt.

(…) Sprechen wir (…) über die Kunst. Die Zerstörung von Stücken, die Zerstörung von Zusammenhängen in der Kunst entspricht schon lange nicht mehr dem Geist der Zeit oder gar den Bedürfnissen des Publikums. Es ist arm zu denken, ohne Videoeinspielung gäbe es kein Theater mehr. Diese Ästhetik kopiert Werbesplitter, Reiz und Schock, sie ist eben nicht 'modern', sondern einfallslos. Wir müssen uns der Lüge des Scheins, der Lüge der Attraktion des Augenblicks widersetzen. (…) Vertrauen wir auf die Tradition des Spiels, der Verwandlung, der Zeremonie - eine Tradition, die Köln als Stadt schon immer beherrscht hat. Lasst uns auf Seele und Köpfe zielen mit der Kunst. Offenbach, Shakespeare und Molière bräuchten bitte heute noch ihre Chance, gerade in Köln.“

Nach dieser Veröffentlichung sitzt manch einer auf dem Sofa und nimmt übel. Kulturbürokraten wehren sich gegen Angriffe, Politiker finden die Kritik "unglücklich" und drei Damen aus der freien Szene, die sich zurecht angegriffen fühlen, treten aus der Theaterkonferenz aus, selbst meine beiden Vorstandskollegen legen mir zum ersten Mal den Rücktritt nahe. Wegen dieses Abschnitts!

2005 wird dem Theater am Sachsenring der Zuschuss gestrichen. Begründung: Anschluss verpasst an das innovative, zeitgenössische Theater. Das Konzept-Denken setzt sich durch. Es ist soweit. Ich trete als Vorsitzender der Thaterkonferenz zurück.

Kommentar im Stadt-Anzeiger 2009:

Jetzt kann man den vogelfreien Theatern nach und nach beim Untergang zusehen. Aber nur, weil die absaufen, werden aus den überlebenden Bühnen noch keine Leuchttürme“. Christian Bos

Heute ist das Theater am Sachsenring lebendiger denn je, geliebt vom Publikum - und mittlerweile das einzige Theater in Köln, das keine Art von Zuschuss mehr bekommt.

Fritsch und Chétouane im Schauspielhaus

Montag, 30. Januar 2012

Das Beste war der Schlussapplaus. Die bunten, blassgesichtigen Schauspielerfigurinen werden von der Gruppe einzeln aus dem Pulk nach vorne geschoben, an die Rampe, stolpernd, fallend, schleichend. Es sind Figuren einer Applausordnung, komisch, übertrieben, Finger in die Luft reckend, jubelnd, schüchtern oder auch gespielt schüchtern, mit großer Geste, Handküsse werfend, auf die nicht vorhandene Galerie winkend – 10 Minuten Schlussapplaus, eine tolle Nummer, die zum lachen reizt und für einen Moment fast vergessen lässt, was für zwei Stunden überdrehter Langeweile hinter den Zuschauern liegen.

Charly Hübner habe ich gesehen, Anja Laïs - ich sehe sie immer wieder gerne auf der Bühne. Was ich nicht gesehen habe, ist alles was ich hätte sehen können, eine Annäherung, Schauspielerei, eine Geschichte, einen Text, Differenzen, Spannung, Brecht, ein Stück, 'Puntila und sein Knecht Matti'. Aber die Erwartungshaltung, einen erfüllenden Theaterabend erleben zu können ist im Stadttheater auf einen ähnlichen Stand gesunken, wie die Erwartung, den FC noch einmal um die Meisterschaft spielen zu sehen. Der Unterschied: Das Theater wird trotzdem zum Spitzenreiter gemacht.

Es scheint schon zur Voraussetzung, zum Ritual zu gehören, das Publikum leiden zu lassen, um Rezensenten und Juroren zu befriedigen. Folge: Zäh und nervtötend, immer wieder, immer wieder, immer wieder und wieder, alle Erwartungen über egomanische 'Regie-Talente', die mehr und mehr Regiestühle deutscher Theater besetzt halten, mehr und mehr bestätigt zu sehen. Fritsch bleibt das frisch gehypte Talent, weil Ex-Schauspieler, Ex-Castorf, Ex-Verkrachter, Ex-Weggänger, Ex-Provinz-Regisseur. Er bietet eine Geschichte, die skandalisiert, die ihn zur Marke macht. Er drückt seine Regieschablone auf jedes Stück. Ein bisschen Struwwelpeter, ein bisschen Comic, so entdeckt und wiedererkannt, wird er zum Theatertreffen eingeladen (natürlich) – und schließlich im Theater des Jahres auf das Kölner Publikum losgelassen.

Pausenlose Bewegungs-Choreografie, hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen, Jacke gleiten lassen, Hose auch, rutschen, zittern, fallen, schlängeln, alles von Klaviermusik begleitet, ohne Stillstand, ohne Rhythmus, Karikatur einer Karikatur, verzerrte Figuren, die in kein Stück passen, oder in jedes – wie die Posen für den Schlussapplaus. Körperlichkeit ohne Sinn, Schminke ohne Gesicht, Text ohne Bedeutung, genuschelt, skandiert, das ganze Programm. Schauen wir uns die Bilder anderer Inszenierungen von Herrn Fritsch an, dann fällt auf: Dieser Regisseur richtet jedes Stück auf die gleiche Weise hin.

Einen Tag später: Ein anderer Regisseur, der auch immer auf die gleiche Weise arbeitet, eine andere Regie-Marke – Chétouane – richtet den nächsten großen Autor hin, diesmal Kleist. Im Gegensatz zu Fritsch geschieht das in der Halle Kalk kraftlos, in Zeitlupe, gedehnt. In weiße Trikots gesteckt, gehen, traben, laufen die Schauspieler, wie Marionetten über die Bühnenfläche vor (natürlich) einer Videoprojektion, schauen sich entweder bedeutungsschwanger an, oder reden vor sich hin. Eine E-Gitarre wird zum kreischen gebracht, pausenlose Bewegungs-Choreografie, hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen, Jacke gleiten lassen, Händchen in die Höh', Text zerlegen, zerlabern, Ärmchen in die Höh', halbherzig, wenn im Text jemand niedersinkt, dann sinkt der Schauspieler nieder, halbherzig, um sofort wieder aufzustehen, die Händchen zu heben und weiter zu gehen. Langeweile, zäh, quälend. Wie schon 'Dantons Tod' unter Endlosschleifen von Fingerübungen unkenntlich blieb, so wurde auch das 'Erdbeben in Chili' zwischen Turnübungen erstickt. Die Frage muss erlaubt sein: Warum lässt eine Intendantin solche Regisseure überhaupt inszenieren? Zwei Stunden auf eine leere Bühne schauen zu dürfen, wäre spannender gewesen.

"Wir Kinder aus Theben" in der Schlosserei

Freitag, 23. Dezember 2011

War schön in der Schlosserei. Noch ist sie nicht abgerissen. Gute Erinnerungen habe ich an ausverkaufte Vorstellungen meiner Musikgruppe ZINNOBER Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, oder an das Gastspiel des Theaters am Sachsenring mit unserer Inszenierung von “Das Fest” 2005, ebenso ausverkauft und bewegt aufgenommen vom Publikum. Jetzt bin ich also wieder Gast im Zuschauerraum des ‘kleinen’ Hauses: “Die Phönizierinnen” in aktueller Inszenierung: “Wir Kinder aus Theben”.

Warm, eng, Vorfreude. Ich kenne viele Premierengäste, situierte Bürgerinnen und Bürger, Journalisten, Förderer, Träger, Amtsleute, Lehrer. Küsschen, man wünscht sich frohe Festtage. Das Programmheft bereitet auf Körperflüssigkeiten und Schlachten vor.
Das erste Bild: Die Wand im Vordergrund wird eingeschlagen, eingetreten, die Einzelteile zerschmettert. Es staubt. Kommt jetzt das Übliche? Nein. Der junge Regisseur Robert Borgmann (Dramaturgie: Sybille Meyer) findet einfache, klare und sehr beeindruckende Bilder und Szenen für die Unausweichlichkeit des Untergangs, des Verderbens, wenn der Gewalt nicht Einhalt geboten wird. Zeitbezug ohne die Zeit zu leugnen. Die Söhne streiten sich um das Erbe Thebens (Carlo Ljubek als Eteokles, Renato Schuch als Polyneikes). Keiner der Beiden will weichen.

Das zieht in Bann. Denn wir sehen die Söhne, wie sie aneinander vorbeischauen, lächeln, sich konfrontieren, ausweichen, schmeicheln und zustoßen. Wir spüren die Spannung im Gefecht der Worte, der Sätze, der Bewegungen, wir spüren jede Regung, jede Täuschung, alle Feindseligkeit. Wunderbar - eine Ouvertüre zu einer sehr musikalischen Inszenierung, die gutes Timing hat und den gesamten Konflikt über die Figuren aufbaut - mit exzellenten Schauspielern.

Die Mutter Iokaste (Julia Wieninger), ihr gelingt es nicht die Söhne zu besänftigen, sie fleht, sie zürnt. Der Vater Kreon (Yorck Dippe), der feige Repräsentant, kalt, überfordert, weiß nicht wohin mit sich, wenn er seinen Sohn Menoikeus (Orlando Klaus) opfern soll. Höchst beeindruckend die retardierende Verzweiflung, schließlich die stumme Kälte. Das Suchen und nicht Finden wollen, am Ende nur noch das Warten auf die Erfüllung der Prophezeihung. Sie wir erzählt. Alle tot, alles zerstört. Antigone (Marina Frenk) sucht den Vater. Sie sucht, sie irrt, sie ruft ihn - und Ende. Die Schauspieler fassen sich an den Händen, ein stiller, guter Schluss, sie suchen die Hand der Antigone-Schauspielerin, die noch suchend nach dem Vater ruft. Sie fassen sie nicht. Ich bin sowieso tot, sagt die Wieninger und geht ab, die anderen folgen, Kreon muss bleiben. Antigone ruft weiter, leise. Da hören wir hinter den Säulen Schreie, wie das Kreischen von Krähen. Junge Mädchen in weißen Gewändern (Chor?) setzen sich in eine Reihe, in gekrümmter Haltung, die Köpfe abgeknickt, aus ihren Mündern fließt Blut. Das erste Mal auf der Bühne, dass Blut fließt.

Es ist still. Das beeindruckende Finale eines großen Schauspielabends, in dem sogar einen Sinn hat, während eines dramatischen Monologs den Satz fallen zu lassen: Was macht man mit einem Hund – der keine Beine hat? Pause - Um die Häuser ziehen. Oder das Kind, das die Prophezeihung der alten Seherin ausspricht. Die Schauspieler, zur Wand gewandt, sprechen den Text, das kleine Kind, blondes, langes Haar, tropfnass, wandelt über die Bühne und macht synchron die Mundbewegungen. Schön-grausam, sehr präsent, verwirrend. Freud und Marx treten auf, zelebrieren komponierten Text am Klavier, laufen mit riesigen, schwebenden Schritten rund um die Bühne – wie Marx-Brothers im Ministerium für komische Gänge. Alle diese Intermezzi haben die richtige Stelle, die Leertaste bekommt Bedeutung, wie jede Geste, jedes Wort. So fallen wenige überflüssige ‘Tricks’ eben nicht ins Gewicht. Das unterscheidet die Inszenierung von manchem Ärgernis. Schade, dass es keine Bravos gab. Hatten die Premierengäste anderes im Kopf, oder saßen sie schon unter dem Weihnachtsbaum. Die Inszenierung, die Schauspieler, sie trafen Emotion und Geist.

Ein guter Abend.

Nackt und feucht

Samstag, 25. Juni 2011

Ich gehe gerne ins Theater. Aber was heißt schon Theater heutzutage? Es ist mehr als Theater. Es ist Halle, Werkstatt, Studio, Fabrik, Raum... eine nackte Fläche. Auf der nackten Fläche sind Mikrophone zu sehen. Ach ja, Mikrophone. Kein Schauspieler ohne Mikrophon. Alles erinnert jetzt an ein Pop-Konzert. Die Grenze zwischen Zuschauerraum und Bühne ist gefallen. Die Ebenen überlappen sich. Theater ist Pop, Event. Eins ist allerdings im Theater noch anders: Mitklatschen und Wunderkerzen werden ersetzt durch: 
Flüssigkeiten. Schauspieler sind immer nass, stecken in kurzen Höschen, Unterhemden, Unterröcken, fallen hin, stehen auf – nackt und feucht. Und sie sind immer bei der Arbeit. Auf den großen Bühnen gibt es immer etwas zu laufen, zu springen, zu turnen, bis zur Verausgabung. Toll. Und schon sind alle verschwitzt, feucht, nass. Früher bewunderte der einfache Zuschauer, die simple Zuschauerin, wie ein Schauspieler, eine Schauspielerin sich so viel Text merken konnte, heute sind alle schwer beeindruckt, wie erschöpft, verausgabt, nass und schmutzig die Darsteller nach vorne treten, um sich vom befeuchteten Publikum Johlen und Klatschen abzuholen. Eben ein Event.

Die Flüssigkeiten werden getrunken, verschüttet, gespuckt, der Boden wird angefeuchtet, um später, wir ahnen es schon, ganz unter Wasser zu stehen. Nichts gegen Flüssiges, wenn es ins Stück passt, nichts gegen Schreie, wenn sie eine Emotion ausdrücken – ohne Dauerzustand zu werden. Aber all diese Maßnahmen sind nur noch Bausteine für die eine, einzige Theater-Performance-Rezeptur, die fast überall angewendet wird, auf freien und städtischen Bühnen. Immer geht es um Entgrenzung und Bewegung, Bewegung, die ein Text oder ein Schauspieler nicht mehr leisten können, nicht mehr leisten sollen – denn es soll ja Pop sein, Performance – oder einfach Regie-Selbsterfahrung. Spätestens dann frage ich mich warum es dafür noch ein Publikum braucht. Und das fragt sich der performative Theatermacher auch.
Kein Stück ohne Text-Flächen, keine Inszenierung ohne Video-Projektionen, keine Inszenierung in der nicht geschwitzt, gewitzelt, geschlachtet, fragmentiert wird, wir schauen hin und sehen nichts, wir schauen in ein Programmheft, in dem sich Dramaturgen ausgetobt haben. Jetzt verstehen wir.

In Köln wurde die Katastrophe um den Einsturz des Stadtarchives im Schauspielhaus durch den Kakao, oder besser auch durch Wasser gezogen. Wasser und Erde sind persönlich aufgetreten, nackt, und fickten. Es war richtig was los. Ich hörte: Das Regietheater ist so toll mit den Textmassen fertig geworden - und so respektlos. Ja. Meine Kölner Freunde und Kollegen waren glücklich. Dabei erfahren die Elemente nur dasselbe, was Othello und Desdemona oder Faust und Gretchen auf den Bühnen des deutschen Theaters immer erfahren. Irgendwann sind alle nass. Es wäre doch eine schöne Idee, einmal eine gespielte Szene zu zeigen. Othello wird eifersüchtig wegen eines Tuches und nicht weil im Hintergrund Desdemona gefickt wird und gleichzeitig ein Nackter an der Rampe ein Lied in ein Mikrophon singt. Später wird Desdemona dann ins Wasser gesteckt - plitschplatsch und tot (Habe ich tatsächlich in Köln gesehen, fanden alle ganz toll). Keine Missverständnisse: Die Jelinek-Inszenierung mit dem Wasser von Köln, in Köln von Karin Beier inszeniert, war faszinierend, sie hat eine Textfläche mit allen Mitteln des Theaters sinnlich, komisch, durchdringend gemacht - und ich fand es großartig. Bis zur Pause. Danach das große Platschen und Klatschen, es war eine reine Freude, aber nichts weiter.

Und noch etwas können wir beobachten: Je mehr geschrieen, gespritzt und gefickt wird, desto glücklicher sind die Rezensentinnen. Ich habe nachgeschlagen. Alle Kritiken sind immer euphorisch wenn es um ein Experiment, um Dokumentarisches, Migration, wenn es um Wasser, um echte, authentische, verstörte Menschen geht. Manche Regisseurin spricht davon, die Aufgabe des Theaters sei es nicht, zu unterhalten oder es gar dem Publikum leicht zu machen. Ist der Umkehrschluss richtig? Und ist es nicht eine besondere Art des Rassismus immer echte Flüchtlinge auf der Bühne hinter die Mikrophone zu stellen – und sie damit auszustellen wie ehemals die Schausteller auf dem Jahrmarkt? Der leise Grusel des Bürgertums im Parkett ist sicher. Echte Menschen. Die Schauspieler kellnern derweil in Kneipen bis sie arbeitslos sind um dann als echte Arbeitslose wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.
Das Regisseur/innen-Theater rechtfertigt jede Reizüberflutung gerne mit der Ausrede, das Publikum provozieren zu wollen. Dieses müsse das schon aushalten. Muss es? Auf der Bühne arbeitet der Schauspieler, im Parkett arbeitet der Zuschauer. Beide werden gequält. Botschaften, für die ein Kabarettist eine kurze Pointe braucht, werden im Theater zu fünfeinhalb Stunden (ohne Pause) zerdehnt. Ist das Theater ohne Sinn und Verstand, auf benetzten Flächen, in hermetischen Räumen, das Theater der Zukunft?

In einem immer ärmeren Leben von rasendem Stillstand, führt zwar ein atemlos-spritziges Theater zumindest zu einer Reizung der Sinne, aber diese Reizung kommt höchstens bis zur Wasser-Oberfläche. Es sei denn, man gehört zu den Leuten, die Wasseroberflächen ein Stückweit 'spannend' finden, weil sie sich als Teil des zeitgenössischen Publikums fühlen, die diesen Reiz, dieses Wasserkräuseln brauchen, um klug über Theater reden zu können.

Theater ist anders. Es war immer anders und wird immer anders bleiben. Ein stiller Moment, eine Geste, ein Blick, ein leicht angezogener Satz, ein entblößtes Wort. Und ein Zuschauer, der das hört und sieht und erkennt, ganz still im Dunkeln. Das Lärmen, die Performance, das quälend überfrachtete Experiment - all das wird landen wo es hin gehört.

Es lebe das Theater!