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Flower, Mauer, Adenauer

Und sie war grade 40 Jahr'

mit: Nicole Kersten und Roland Riebeling (Comedy-Preisträger 2004 und 2006). Am Klavier: Martin Erdmann

Singend durch die Nachkriegszeit. Szenischer Liederabend - hochkonzentriert wie Persil in seinen besten Zeiten.

"40 Jahre Bonner Republik lassen Nicole Kersten, Roland Riebeling und Martin Erdmann mit deutschen Schlagern und Original-Zitaten aus dem Off Revue passieren.(...)die Auswahl spricht so für sich, dass der Hauch des Zeitgeists ohne jeden Modergeruch auch jüngere Zuschauer anwehen kann. Dabei ziehen die drei keine reine Nummernrevue ab.(...)Sie füllen die geschickt montierten Lieder und Texte inmitten multifunktionaler Umzugskartons mit prallem komödiantischen Leben, ohne sie an die Parodie zu verraten. Rudi Schuricke, Vico Torriani und Peter Alexander stehen plastisch vor Augen, wenn der drollige Roland Riebeling, der so unnachahmlich treudoof gucken kann, und die wandlungsfähige Nicole Kersten daran erinnern, wie die Italien-Welle in die deutschen Wohnzimmer schwappte.
Gitte will 'nen Cowboy als Mann, denn mit 17 hat man noch Träume. Und es war Sommer, als Wencke Myrrhe in ihr knallrotes Gummiboot stieg und Dalida ihrem entschwundenen jungen Lover hinterherseufzte "Er war gerade 18 Jahr'".(...) Nichts wird ausgespart bei dieser kurzen, knackigen Show, die mit dem Mauerfall endet. Hingehen, ansehen!" Kölnische Rundschau/Barbro Schuchardt anl. der Prem.

"Selten wurde die bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte so unterhaltsam, so unverkrampft und auch so entlarvend präsentiert. Singend, tänzelnd, maulend. Bis 1989 die Mauer fällt. Die Steine sind hier Umzugskartons, die vorher als wackliger Tisch oder Fenster dienten. Zwischen, auf und hinter den Kisten: Nicole Kersten und Roland Riebeling. Sie mit Südfrüchten überm Petticoat, er im braunen Wollwestchen. Nach qualmenden Adenauer-Worten geht's kreuz und quer durch die ach so verlogene deutsche Schlagerherrlichkeit." Express/Bonn

Aber der Reihe nach:

"Eine Holzkiste wird geöffnet, aus der schallt ein altes Tondokument der Hauptstadtwahl anno 1949.

Man merkt jetzt schon: das Ganze ist mehr als nur ein wenig psychedelisch. Nachdem die tristen Nachkriegsanfänge mit: "Lieber Gott, lass die Sonne wieder scheinen" gewürdigt sind, werden mit einem fröhlichen "Es geht weiter, weiter, weiter" die blühenden Wiesen des Wirtschaftswunderlandes besungen. Die Kiste dient als unerschöpflicher Sentimentalitätenfundus, aus dem mal Fernsehdialoge, mal Radioschnipsel kommen, und der den Hintergrund für die Stücke liefert, die Nicole Kersten und Roland Riebeling gelegentlich etwas schräg, aber immer großartig und mit völlig überdrehter Gestik singen. Das ist geschickt gemacht, wird so doch der historische Makrokosmos der Bundesrepublik mit dem Mikroskop der Radiomusik des "kleinen Mannes" verknüpft.

Der Spagat zwischen einer Inszenierung, die liebevoll genug ist, um Dabeigewesene nicht zu verschrecken, aber auch genug ironische Distanz hat, um den Rest der Welt zu begeistern, gelingt perfekt. Am größten ist letztere sicherlich bei "Im Wagen vor mir", dessen finstere Seite, die wir wohl alle schon immer erahnt haben, in einem brillianten kleinen Psychothriller inklusive messerschwingendem Wahnsinnigen schonungslos aufgedeckt wird.

Zwischendurch geht's noch im Parforceritt durch deutsche Fernsehgeschichte, von Wim Toelke über Theo Lingen bis zu Samson aus der Sesamstraße, die Neue Deutsche Welle wird kurz abgearbeitet, bis schließlich im großen Finale der "Wind of change" die Mauer davon bläst. Ein sehr, sehr lustiger Abend." General Anzeiger

Endlich kann man Zuschauern, die anrufen und wissen wollen ob es auch lustig ist aus vollem Herzen sagen:

Es ist ein sehr, sehr lustiger Abend!