Kafkas Welten

Ein Theaterstück

Texte: Franz Kafka
Textfassung: Joe Knipp
Es spielt David N. Koch
Stückfassung und Inszenierung: Joe Knipp
Nominiert für den Kölner Theaterpreis
David N. Koch nominiert für den PUCK-Schauspielerpreis.


Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen,
Assistenz: Andrea Richarz, Mitarbeit: Angelika Böhrer, Fotos: Wolfgang Weimer.


Diese "ungeheuere Welt, die ich im Kopf habe" Kafka

"Ihr müßt nicht fragen, was das soll. Das soll gar nichts. Das bedeutet gar nichts. " Kurt Tucholsky

"Ich glaube nicht, dass Spiel notwendigerweise weniger real sein muss als Sein." George Tabori:


Fulminante Uraufführung: Theater am Sachsenring führt in "Kafkas Welten"

Von Barbro Schuchardt

Gregor Samsa ist wütend. Weil seine Familie ihn morgens aus dem Bett zur Arbeit scheuchen will. Weil er sich einsam und ausgenutzt fühlt. Und weil niemand merkt, dass er sich gar nicht dem Alltag stellen kann, weil er im Begriff ist, zu einem riesigen braunen Ungeziefer zu mutieren.

Knipp montierte Textteile aus der "Verwandlung" mit solchen aus der Erzählung "In der Strafkolonie" (1914) und einem Auszug aus dem "Brief an den Vater" (1919) zu einem furiosen Solo für den jungen Schauspieler David Koch zusammen. Koch ist in Knipps Inszenierung das böse, grausame Kind Franz, das sich mit Horrorvisionen aus der beengten Kleinbürgerwelt mit dem despotischen Vater hinaus fantasiert und dabei alle Grenzen überschreitet - auch physisch.

Mit halsbrecherischer Präsenz turnt Koch in seinen kurzen braunen Hosen über die Balustrade zum Zuschauerraum, stößt dabei fast mit dem Kopf an die Decke, aus der er Bonbons zutage fördert, schnaubt, schnarrt, grunzt, quietscht - und redet, redet, redet. Die Augen sind schwarze Löcher im weißgeschminkten Gesicht, eine Gießkanne wird in Kochs fulminantem Monolog durch ein paar Stofffetzen zu Vater, Mutter, Schwester. Getrieben vom Hass auf die ganze Welt rast er durch seine Vision von der Verweigerung alles Menschlichen, wobei der junge Schauspieler eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit beweist.

vergrößern auf 300 dpi Druckfassung. David Koch in "Kafkas Welten". Inszenierung: Joe Knipp. TASIn Hannelore Honnens klaustrophobisch sich verengender Bühne gewinnen die Machtfantasien des Jungen eine außerordentliche Plastizität. Durch die mehrfache Brechung der Hauptfigur finden Knipp und Koch einen zeitgemäßen Zugang zu Kafkas verrätselten Texten, die so auch heutigen Schülern (und Lehrern) viel "Futter" bieten können.

Fotos Wolfgang Weimer: Franz als Alien vis à vis mit der Maschine/ Franz verwandelt sich

Kölnische Rundschau 06.12.08


Die fiese Nähmaschine lebt

Ein Szenario wie in einem expressiven Stummfilm. Vor strenger Bauhaus-Kulisse erscheint David Koch, zum monströsen Riesenbaby stilisiert, das Gesicht mondfahl geschminkt. Ein markerschütterndes Krächzen entfährt ihm. Das letzte Röcheln eines verrückt Gewordenen? Der Sound eines Aasgeiers, der nach der Beute giert?

...so geschickt verzahnt, dass sich ein lyrischer Schwebezustand einstellt zwischen einer Familienanalyse und einer Parabel über Bürokratie. Privates und Politisches vermengen sich.

Kölner Stadtanzeiger


Kafkas Welten
Schauspiel

Regisseur Joe Knipp bringt in seiner Ein-Personen-Adaption "Kafkas Welten" Klarheit in die Sache. Er fokussiert die (erzählerische) Macht der Sprache des Pragers als Gegensatz zu dessen stets beängstigender, unberechenbarer fiktionalen Welt.

StadtRevue


In seiner neusten Inszenierung "Kafkas Welten" wirft Joe Knipp uns in den Ideenstrom des kleinen Jungen Franz (David Koch). Während das Kind immer weiter in die Fiktion eintaucht, reißt es uns und die Wirklichkeit mit sich. Es spielt mit seinen Möglichkeiten und der Macht, die es plötzlich hat. Doch während die Zeiger der Uhr ruhig vorwärts gehen, gewinnt das Spiel mehr und mehr an Grausamkeit. Zwischen realer Fantasie und fantasierter Realität entdecken wir die Worte, die in den berühmtesten Erzählungen des Erwachsenen Franz Kafka "Die Verwandlung" und "In der Strafkolonie" wieder zu finden sind.


Ich sehe dich nicht, also siehst du mich nicht!

Ich halte mir die Ohren zu, dann können mir deine Worte nichts anhaben,
denkt das Kind, um gegen das Schimpfen der überlegenen Erwachsenen anzukommen.
Was aber, wenn die Eltern nach dem Öffnen der Augen wirklich verschwunden sind?
Was aber, wenn sich die strafenden Worte tatsächlich gegen den richtet, der sie ausspricht?

Während ich mich in meine Ausgeschlossenheit einschließe, werden die Wände um mich herum immer enger. Die Grenzen der Freiheit verändern sich ebenso, wie die zwischen Realität und Fantasie. Der Apparat ist in Gang gesetzt. Gibt es jetzt noch ein Entrinnen? Andrea Richarz

Kafkas Welten

mit David Koch




Inszenierung: Joe Knipp.
Kafka