22 Jahre Theater am Sachsenring

ZinnoberSchon 1986 spielte unsere Gruppe ZINNOBER im 'Saxi', wie die Bühne am Ring in der Kölner Südstadt damals noch hieß. Wir boten, umrahmt von Wilfried Schmickler, Klaus Huber, Wolfgang Müller, Jürgen Becker uva. einen eigenen Tag an: "ZINNOBER’s MITTWOCHSBÜHNE" und spielten einen Brecht-Abend:
OB IHNEN SOWAS GRAD GEFÄLLT? (Prem. am17.09.86). Und es gefiel.

1987 wurde das THEATER AM SACHSENRING an gleicher Stelle gegründet von Regisseur, Autor und Sänger Joe Knipp zusammen mit Autorin und Dramaturgin Hannelore Honnen. Zu Anfang erwarb sich das Haus den Ruf einer literarischen Bühne. Ars Vitalis, Gerhard Rühm, Yaak Karsunke, Karin Neuhäuser, Hans-Eckart Wenzel gastierten, literarische Soirées über Chandler, Mond und Majakowski erleuchteten die Nächte. Schon 1988 begann die Phase der vielen Ur- und Erstaufführungen. Feste Autoren in einem freien Theater entwickelten eine unverwechselbare Handschrift. Die leeren Bühnenräume, der Spaß an der Schauspielerei stehen bis heute für die besondere Ästhetik des TAS.

1988: Die erste Eigenproduktion Die Wut - Verbrechen und StrafeFRAU ARMAND TRIFFT ROSA LUXEMBURG NICHT, schrieb und inszenierte Hannelore Honnen nach Rosa Luxemburg und Colette (UA 09.12.) Mit DIE WUT (H.Honnen nach F.M.Dostojewski, UA 02.11.90) wurde das TAS 1991 von Intendant Dshagisherashwili (NET Wolgograd) zur Teilnahme am Internationalen THEATERFESTIVAL DER SOWJET UNION ausgewählt und erntete Ovationen mit „DIE WUT“, „NEPAL“ und „DEUTSCHLAND TANGO“. Im TAS folgten ICH, EIN TOLLES KIND (Heinrich Heine/H.Honnen, UA 12.09.91), und IDIOTEN (H.Honnen nach Gustave Flaubert, Inszenierung Joe Knipp, UA 09.01.94, nominiert für den Kölner Theaterpreis). Im 2. Quartal 1999 erhielt ZINNOBERs SCHNEE VON GESTERN den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. 2000 wurden Joe Knipp und Albrecht Zummach mit dem Kulturpreis der Stadt Neuwied ausgezeichnet.

„Intelligentes Stück, pointierte Sprache, kraftvolle Inszenierung!“, schrieb Fee Linke über die Uraufführung von CRASH (H. Honnen) CRASHüber zwei Frauen und das richtige Leben in einem Meer von Nullen und Einsen.

Lesen Sie in Kürze, wie unsere Arbeit über die Jahre beurteilt worden ist: Kritiken.

Zwei Begegnungen haben den Spielplan des TAS wesentlich mitgeprägt. Die Zusammenarbeit zwischen Regisseur Joe Knipp und Kabarettist Thomas Reis begann 1989 und hat Meilensteine im Bereich Kabarett gesetzt. Seit ALS DIE MÄNNER NOCH SCHWÄNZE HATTEN (1992) bis zu den gegenwärtigen, erfolgreichen Produktionen: GIBT’S EIN LEBEN ÜBER 40? und MACHEN FRAUEN WIRKLICH GLÜCKLICH?

Die Begegnung mit dem englischen Autor Tony Dunham führte zu zahlreichen englischsprachigen Uraufführungen, FLUX, PHIL NOIR und reicht bis in die letzten Jahre zu den deutschsprachigen Produktionen als 'writer in residence' (CLOUDBUSTER, UA 02.04.97, STUMM! UA 14.04.99, beide nominiert für den Kölner Theaterpreis) Schließlich 2001: ECHT BRECHT im Oberlandesgericht. „Es war eine ungewöhnliche Premiere an einem ungewöhnlichen Ort: ‚echt brecht’ (…) eine Szenen-Kollage voller Respektlosigkeit und Witz. Grandios gespielt. Top-Theater auf Top-Niveau!" ( Michael Bischoff/ BILD-Zeitung 9/10/01)

Durch DIE ERMITTLUNG von Peter Weiss machten 2002 weit über 20 Schauspielerinnen und Schauspieler unter der Regie von Hans Kieseier, ein kaum gespieltes Stück Theater zu einem Signal. „… und es ist dieser Ort, der Hörsaal XXV des WiSo-Gebäudes, der den Text nicht etwa didaktisch in Anspruch nimmt, sondern wie selbstverständlich und deshalb beunruhigend in unseren Alltag ragen lässt. (…) Kein Beifall. Schweigen.“ (FAZ-Feuilleton) € 10.000.- Einnahmen wurden gespendet, unter anderem an Überlebende des Holocaust in Kiew.

2003: Der vorläufige Höhepunkt der Theaterarbeit: DAS FEST DAS FESTvon Vinterberg/ Rukov. Fassung und Insz.: Joe Knipp, Bühne: H. Honnen. „Was da in diesem kleinen Theater geboten wird, ist Schauspieler-Theater der Extraklasse. (…) Mit hoher Intensität, einer Tonabnahme der Schauspieler von seltener Güte und mit einer Glaubwürdigkeit, die rar geworden ist, fährt hier die Verlogenheit in den Orkus." (Theater pur / Juli 2003)

"In diesem Jahr waren sich Kritik, Kollegen und nicht zuletzt die Zuschauer schnell einig über die herausragende Qualität einer Inszenierung, die gestern Abend folgerichtig mit dem Kölner Theaterpreis 2003 gekrönt wurde!“ 09.12.03 Kölnische Rundschau

2004 folgte ein weiteres Stück psychologischen Erzählens: WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? Wer hat Angst..."Genau in dem Schwebezustand (…), der einen bei Albee zuerst auflachen und dann - beim Blick in all die Abgründe - schwindelig werden lässt.“ (Kölner Stadt Anzeiger)

2005: VERWANZT verwanzt(Deutschsprachige Erst-aufführung von „Bug“, Tracy Letts. Insz.: Joe Knipp, Bühne: H. Honnen). Ein Psycho-Drama in einer „unwirklich-gefährlichen Landschaft. (...) exzellent dargestellt.“ (Edgar Franzmann)

2006: MANN IST MANN von Bertolt Brecht. (Insz.: Joe Knipp, Bühne: H. Honnen) „zelebriert ein Lustspiel, das Lust macht, ins Theater zu gehen.“ (peb)

Mann ist MannSeit 20 Jahren steht unser Theater für „einen Ort der geistvollen Verzauberung und des passionierten Experiments“. (Marianne Kolarik 1998 im Kölner St.Anzeiger).
2005: Entzug aller Zuschussmittel durch die Stadt Köln.

"Zwischen komisch und verstörend", schreibt der KStA über unsere erste Premiere der Spielzeit 07/08: ENDLICH SCHLUSS. Endlich Schluss

Zur Eröffnung 2007/ 2008 veröffentlichte der Stadt-Anzeiger ein Portrait: "Das Theater am Sachsenring beweist auch ohne städtische Hilfe Stehkraft".

Neue Perspektiven. Von den Anfängen einer literarischen Bühne über das Theater der Uraufführungen bis zum Schauspielertheater der Jahrtausendwende hatte das TAS sehr erfolgreiche Zeiten. Der letzte Abschnitt: Die besondere Arbeit mit Kindern, an Schulen und für Kinder jeden Alters. Eine Werkstatt für Junges Theater mit neuen Kräften, orientiert an der Lust des Theatermachens und an der Lust des Publikums.

Eine ganze Reihe von Absolventinnen und Absolventen Kölner Schauspielschulen sind gleich in mehreren Stücken zu sehen gewesen. LIEBLINGSMENSCHEN, im Mai 2008 FRITZ: "'I'm not here to be polite!' ist seine Botschaft und so kommt auch das gesamte Stück daher: schnell, frech, witzig, melancholisch - alles auf einmal." (rheinkultur)

Vor allem die LIEBLINGSMENSCHEN sind durch das hinreißende Spiel von fünf dieser jungen Leute auf der Bühne des TAS ein großer Erfolg geworden. Alleine zwei unserer Schauspieler (Rebecca Madita Hundt und Daniel Mutlu) sind für den Nachwuchspreis PUCK nominiert worden und der Preis ging - an Daniel Mutlu!

KAFKAS WELTEN, Uraufführung am 3. Dez., wurde als letzte Premiere 2008 zum regelrechten Knaller. David Koch überzieht mit seinem Spiel das gesamte Theater, eine faszinierende Welt von Angst und Bedrohung entsteht.
"Die Augen sind schwarze Löcher im weißgeschminkten Gesicht, eine Gießkanne wird in Kochs fulminantem Monolog durch ein paar Stofffetzen zu Vater, Mutter, Schwester. Getrieben vom Hass auf die ganze Welt rast er durch seine Vision von der Verweigerung alles Menschlichen" Kölnische Rundschau

Im Juli 2009 wurde die Nominierung zum Theaterpreis bekannt gemacht. Am 8. Oktober 2009 wird die letzte Premiere auf die Bühne kommen GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN.

Am 31. 12. 2009 schließt das Theater am Sachsenring.

Wo, wann und wie wir wieder kommen, werden wir rechtzeitig unserem Publikum mitteilen.

Schaubühne Köln: Hereinspaziert!

Wir erwarten Sie!