Die Wut


Nach Dostojewskis "Verbrechen und

Strafe/ Aus dem Dunkel der Großstadt"

Textbearbeitung und Inszenierung:

Hannelore Honnen

Bild: Raskolnikov (Gereon Nußbaum) und Sonja (Angelika Pohlert).

Diese "Wut", inszeniert von Hannelore Honnen bescherte dem Theater am Sachsenring eine der eindrücklichsten Uraufführungen der ersten Jahre.

Ein dunkler Raum, ein Mann auf einem Stuhl, ein Mann der in einer fast zu kurzen Jacke mit düsterer Mine seinen Zorn, seine Wut über den gemeinen Menschen ausführt. Leise, fast pedantisch entfaltet sich seine Rede. Er verflucht den Massenmenschen, der seinem Genie im Wege steht. Ein kleiner Mann, der sich hineinsteigert. Raskolnikow sitzt erst auf einem Stuhl vor dem Vorhang, nah am Publikum, dann läuft er und stößt mit seinen imaginären Hörnern gegen imaginäre Wände. Hilflos, unberechenbar, kleinkariert. Dann zusammen gekauert, vereinsamt. Ein Ausgestoßener. Einer, der sich selbst ausstößt.

Der Hintergrund wird plastisch. Gewinnt Tiefe, wird heller. Der Schleier wird durchsichtiger, dann fällt er. Die junge Sonja ist aufgetaucht. Sie will er retten.

In einer anderen Szene wartet der "Held" auf seinen Tee, sein Diener (Albrecht Zummach) lässt ihn warten, raucht und liest. Wer ist Herr, wer Diener? Die Lust an der Unterwerfung wird zur stummen Zeremonie. Sind die Unterworfenen, die masochistischen Kleinbürger unsere Gewalttäter im Wartestand?

"Verbrechen und Strafe" ist frontal, ungeschönt, alltäglich.

Licht, Langsamkeit, genauer Rhythmus und Präzision geben diesem Exempel eine beklemmende Dringlichkeit, Unaufhaltsamkeit. Die Ebenen schneiden sich nicht im Unendlichen, sondern in einer Bluttat, dem Ausgang des Experiments.